> Mir fehlt bei uns in diesen Fragen immer total die internationale Sichtweise. Für 90% der Menschheit sind das doch alles theoretische Überlegungen. Die wollen einen höheren Lebensstil in allen Bereichen, so wie wir, und fertig. Was wir in unserem satten Westen irgendwo an Ressourcen einsparen (in dem Fall Kapazität der Atmosphäre zur CO2-Aufnahme), wird an anderer Stelle doppelt und dreifach dankend angenommen. Alleine die gewünschte Motorisierung von Indien übersteigt schon die realen Möglichkeiten. Bestenfalls dient unser Verzicht halt dem weiteren Bevölkerungswachstum. Speziell wir Deutschen sind immer so voll in unserem ideologischen Denken drin, haben ein schlechtes Gewissen und wollen die Welt retten.
Man möchte es ja eigentlich nicht so denken, aber schlussendlich ist es eine knallharte Verteilungsfrage, und wird sind dabei, unser Kuchenstück einfach abzugeben, weil es gerade politisch korrekt ist. Die wichtigen Erfolge in der lokalen Umweltbelastung seit den 70ernprojizieren wir unverändert, moralisiert und denkfaul in die globalen Fragen hinein.
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Das nehme ich mal zum Anlass für meinen Kommentar, mich interessiert das Thema natürlich sehr, ich fahre demnächst einen Honda e als Leihwagen und freue mich da sehr drauf.
Was du beschreibst scheint mir die Kombination aus einer Vielzahl klassischer psychologischer Probleme zu sein. Grundsätzlich könnten wir uns ja fragen, weshalb wir nichts ändern, obwohl die Trends seit Jahren bekannt sind, neulich nochmal in der Tagesschau von vor 20 Jahren gesehen. Und vielleicht ist ein Teil der Antwort, dass, wenn sich Menschen (oder die Industrie) sich mit der Mentalität durchsetzen, dass andere erstmal alles vormachen sollen, dann wird nie irgendwo eine Veränderung passieren. Denn wenn jeder immer erst abwartet bis es woanders funktioniert, dann gibt es keine Veränderung. Und das hochgelobte Innovationsland Deutschland stagniert an dieser Stelle doch wohl schon seit langem. Mutige Innovationen kommen doch gar nicht mehr von hier. Ich frage mich: Macht es Sinn an diesem Verteilungskuchenstück festzuhalten, während parallel dazu neue Kuchen entstehen, die innovativere Staaten unter sich aufteilen? Irgendwann ist unser Kuchenstück dann auch nichts mehr wert. Schaut euch mal das Ruhrgebiet an, vom Kohle-Kuchen ist nichts mehr übrig, und diejenigen, die früh genug andere Kuchen gesucht haben haben ein gutes Geschäft gemacht.
Ich fahre selbst einen Diesel, verbrauche 4.9L auf 100km, und das sicherlich auch noch viele Jahre weil mir schlichtweg das Geld fehlt um was schönes neues zu kaufen. Aus Umweltsicht ist das mit Sicherheit total schlau, ökonomisch für mich auch, für die Industrie natürlich nicht. Sicher wäre es sinnvoll Abstand von überzüchteten und eigentlich unsinnigen Konzepten zu nehmen, aber wo anfangen? Brauchen wir eine CRF 1100 oder hätte nicht auch eine 750er gereicht? Natürlich spart das Ressourcen, natürlich ist das sinnvoll für die Umwelt, natürlich kann man parallel dazu neue Techniken entwickeln, aber irgendjemand muss es ja auch erproben, vorführen, dass es funktioniert - oder was eben nicht...