Ich bin kein Offroadfreak, fahre überhaupt erst seit 2 Jahren Motorrad und meine AT ist auch meine erste Maschine. Nachdem ich bei der Abholung der Maschine Respekt oder eher Schiss hatte auf einer zweispurigen Straße zu wenden ohne umzufallen, hätte ich niemale gelaubt mit so einem schweren Motorrad zwei Wochen später auf Sardinien Singel-Trails fahren zu können und breite Schotterstraßen im Drift. Dank DCT und einem sehr guten Fahrwerk geht das und zwar sehr easy. Vor allen Dingen bergauf - hier heißt es einfach Gas, Gas, Gas - ja nicht langsam werden, dann ist es nämlich schnell vorbei. Berg runter, speziell auf Geröll ist es so eine Sache - wenn die Fuhre erstmal rutscht, dann rutscht die. Also muss man sich trauen wieder rollen zu lassen, für höhere Geschwindigkeiten braucht es aber auch einen entsprechenden Auslauf. Also kritische Abschnitte bergab besser vorab zu Fuß scouten.
Wie schon geschrieben wurde, solange es trocken ist, ist sehr viel machbar. Bei matschigem Untergrund war bei mir jedenfalls schnell Schluss und der Heindenau K60 Scout kommt da ziemlich zügig an seine Grenzen.
Was einen riesigen Unterschied macht ist, ob du mit Gepäck oder ohne fährst. Auf Sardinien hatten wir ein Ferienhaus gemietet und dann Tagesausflüge ohne Gepäck gemacht. Immer nur sternförmige Ausflüge und jeden Abend wieder zurück fahren zu müssen, ist aber nicht so mein Ding. Lieber eine Tour und dann Gepäck und voller Campingaustattung, Werkzeug, 5 l Wasser und etwas zu Essen. Verpackt in Softgepäcktaschen und Gepäckrolle habe ich aber die Erfahrung machen müssen, dass jeglicher Feldweg, Piste etc. gar kein Problem ist, aber Singeletrails waren quasi nicht mehr mit Spaß zu fahren. Es ging nur noch darum die schwankende Fuhre nicht umzuschmeißen (TET S13 Frankreich). Ich habe daraufhin mein Konzept umgestellt. Auf Campingsachen und Werkzeug möchte ich nicht verzichten, an den Klamotten habe ich eingespart und nehme nur noch das Allernötigste mit - man hat eigentlich eh nur die Motorradkluft an. Dann habe ich die großen Softgepäcktaschen durch kleine ersetzt. An meinem Kofferträger hängen nun jeweils 1 x Kriega OS 12 davor 2 x 1 l Wasserträger und dahinter 1 x OS 6. Je eine OS 6 am vorderen Sturzbügel mit weichen Sachen (Regenklamotten, Schuhe, Klopaier etc.) Das sind die wichtigsten Taschen und immer im Glände dran. Wenn das Mopped umfällt, dann weich. Ich habe mir noch keinen Kratzer in die Verkleidung geschrammt.
Über dem Auspuff in die Lücke vom Kofferträger zur Sitzbank schnalle ich einen 30 l wasserdichten Packsack. Hier drin sind Zelt, Stuhl, Rolltisch und Luftmatratze. In der Gepäckrolle Schlafsack und paar Klamotten und Ersatzhandschuhe. Alles liegt eng an der Fahrzeugachse und schwere Sachen möglichst tief. Natürlich ist es jetzt Offroad immer noch ein Unterschied gegenüber der Solomaschine, aber nichts schwankt mehr und ist gut und vor allen Dingen mit Spaß Offroad fahrbar.
Mit dieser Konfiguratuion, mit der ich völlig autark bin und überall wo ein schönes Plätzchen ist, spontan campen kann, bin ich gerade über Pfingsten 2.600 km den TET Deutschland Sektion 2, dann über die asphaltierte Sektion 1 rüber in den phantastischen TET Dänemark Sektion West gefahren. Super schöne Landschaft und sehr, sehr viele Kilometer Pisten. Hier gibt es zwei Arten. Festen Schotter - die kannst du fahren wie auf Asphalt mit riesen Staubwolke hinter dir herziehend. Und dann gibt es da - wir haben es Schwimmschotter genannt - Pisten mit sehr grobkörnigem Schotter, nicht verdichtet ohne Feinkornanteil. Man surft eher so mit dem Vorderrad so darüber und lässt den Lenker möglichst locker. Das fühlt sich am Anfang alles sehr unsicher an - aber irgendwann fährt mach auch diese Abschnitte mit 60 -70 Sachen - aber nur auf weit einsehbaren geraden Abschnitten - in Kurven ist äußerste Vorsicht geboten, sonst legt man sich schnell ab. Ganz wichtig ist frühzeitig Sandpassagen zu erkennen. Diese finde ich echt immer sehr schwierig zu fahren. Vorher runterbremsen, Gewicht möglichst nach hinten verlagern und dann voll Gas. Das geht gut, wenn der Sandabschnitt kurz ist. Ist er jedoch lang, geht das Geeiere los. Dann lieber etwas langsamer, solange wie möglich Füße auf den Rasten lassen, aber schnell dann abstützen, wenn man doch kurz vor Sturz ist. Ich bin einmal im Stehen umgekippt - durch meine weichen Taschen absolut nichts passiert - ein Kumpel auf 650 GS Dakar hat sich dann leider im Sand bzw. eher pudrige Erde bei geringer Geschwindigkeit abgelegt und einen Hartschalenkoffer dabei abgerissen.
Der andere Kumpel ist übrigens mit einer GS 1150 ADV gefahren und war auch in Sardinien dabei. Er hat auch alle Strecken dort geschafft, aber insgesamt sein Mopped 8 x abgelegt (ich Null mal und ich bin kein besserer Fahrer). Der riesen Vorteil der GS gegenüber einer AT ist, dass die GS ja nicht umkippt, sondern sich nur schräg stellt und sich auf den Zylinderbügeln abstützt. Somit ist die schwere Maschine relativ leicht wieder aufzurichten. Das ist bei der AT nicht so, die liegt flach, aber man bekommt sie auch alleine aufgerichtet und sollte dies auch können, speziell wenn man alleine fährt.
Gefühlt ist so eine GS ADV ein Panzer gegen die AT. Diese ist aber mit DCT nur ein paar Kilo leichter. Ich würde mich nie im Leben mit einer GS ADV alleine trauen zu fahren, was ich mich mit meiner AT traue. Die ist extrem handlich und man merkt das Gewicht nicht - solange sie rollt. Man darf halt nur nicht stehen bleiben ;-).
Ach ja, der vierte Kumpel hatte eine KTM und musste die Tour am 3. Tag mit technischem Ausfall abbrechen... aber der Sound von der Maschine war echt gut ;-).
Also, wie hier einige geschrieben haben - die AT macht alles mit, es liegt am Fahrer. Man tastet sich einfach von leichten Feldwegen pö a pö an schwierigeres Terrain heran. Gut, wenn man das nicht alleine macht und im Notfall schnell Unterstützung bekommen kann. Ich fahre auch alleine Wege, die man besser nicht alleine fahren sollte, weil ich meistens versuche soweit zu kommen wie es geht. Bis jetzt ging es gut, aber war auch schon mal kritisch, weil ich es einmal fast nicht geschafft habe meine AT in einer Sackgasse im Steilhang zu drehen. Für die Zukunft will ich mir daher für den aboluten Notfall so ein GARMIN Satelliten Notrufsender zulegen und außerdem auch mal mehr versuchen den Mut aufzubringen zu sagen: Hier dreh ich jetzt besser mal um und probiere nicht aus, ob es doch geht.
Hier ein paar Fotos Offroad alleine in der Toskana nur Wasser und Werkzeug dabei - hier und da aber mal angehalten und erst geschaut, ob es machbar ist. Es kommt auf Fotos immer nicht so rüber, aber teilweise war es ziemlich steil mit losem Untergrund






Ich bin ins Schwitzen gekommen, weil ich auf dem Weg irgendwann einen Punkt auf no return überfahren hatte - also einen Abschnitt irgendwie runter, den ich nicht mehr hoch geschafft hätte - da hofft man echt, dass der Weg wie bei OsmAnd angezeigt wirklich irgendwann auf einer Straße raus kommt und keine Sackgasse ist. Es ging - ich brauche nur einen stabileren Motorfahrunterschutz - die Bodenfreiheit hat nicht immer ausgereicht. 
Und hier sah es ganz einfach aus - hatte aber am Vortag geregnet und war daher ziemlich rutschig geworden und zack - abgelegt ;-).

Die AT ist eine endgeile Maschine - von Kurvenräubern, über lange Distanzstrecken direkt ins Gelände reinballern - es reicht ein müder Knopfdruck am Lenker. Und dann sieht sie auch noch besser aus als jedes andere Motorrad... ;-).
Ich wünsche allen, die ihre AT auch dann und wann nutzen für was sie eigentlich gebaut wurde, ganz viel Spaß dabei.
Gruß
Mario