Beiträge von Reisender

    Die Transalp ist ja auch ein wunderbares Motorrad, es gibt gar keinen Grund die beiden Konzepte gegeneinander auszuspielen!


    Zweizylinder haben eindeutige Vorzüge, ganz klar. Aber es gibt unterwegs auch sehr viele Gelegenheiten wo ein dicker Eintopf eindeutig den größeren Unterhaltungswert besitzt. Im Augenblick bin ich gerade auf diesem Trip, das kann sich aber auch wieder ändern.


    Und dass sich Dir der Grund des Mehrgewichts der Z vs. X/R nach dieser umfangreichen Aufzählung immer noch nicht erschlossen hat - bedauerlich. Aber gegen Voreingenommenheit sind Argumente keine geeigneten Instrumente, da hätte ich geschickter vorgehen müssen, pardon. Aber vielleicht fanden es andere Enduristen ganz aufschlussreich.

    Niemand wird gezwungen die XT 660 Z zu mögen. Bei dem aktuellen Preisniveau dürfte das auch schwer fallen. 2008 kostete die Neuerscheinung noch lediglich 6995 € und Nitzsche vom Tourenfahrer schwärmte: "Das gab es bisher noch nie, dass man zu einem solchen Preis ein Motorrad kaufen konnte mit dem man ohne notwendige Umbaumaßnahmen sofort auf Weltreise gehen kann..."

    Scheinbar haben die aktuellen Inserenten den damaligen Neupreis nicht mehr vor Augen, lediglich MEIN Vorbesitzer war so fair. Wäre das nicht der Fall gewesen säße ich jetzt nicht hier und "dozierte" über die 660Z - vielleicht über eine gut erhaltene RD04 oder RD07...?

    Mir erschließt sich dieses Übergewicht auch nicht. Auf Tenere.de habe ich das schon sehr detailliert angesprochen. Meine 1984er Ténéré mit der Werksbezeichnung XT 600Z 55W wog mit gefülltem 30 Liter Tank genau 163 kg. Die Federelente waren den Motocross-Wettbewerbsmaschinen YZ-F entnommen, die Gabel z. B. hatte einen Hub von 255 mm und konnte mit Luftunterstützung aufwarten. Meine Frau hatte auch eine 55W vom Jahrgang 1985, zusammen haben wir damit je 30.000 km ohne große Probleme abgeritten. So etwas in der Art hatte ich mir nach meinem Endurourlaub 2020 vorgestellt. Aber so etwas gibt es nicht mehr. Die Japaner haben sich mit großvolumigen Einzylindern völlig aus Europa zurück gezogen. KTM oder Husqvarna würde ich mir nicht kaufen, da ist mir einfach zuviel zu der anfälligen Technik zu Ohren gekommen. Wer es nicht glaubt dem empfehle ich z. B. den Kanal Pirate Racing auf Youtube.

    Ich versuche aber dennoch zu erklären, woher das Gewicht der XT 660Z kommt.


    1. Sie hat eine Doppelscheibenbremse am Vorderrad. Das haben die Schwestermodelle X und R nicht. Die "Z" möchte auch Reisekomfort für zwei Personen bieten. Dazu gehören neben einer insgesamt größeren Dimensionierung - der Sozius hat im ggs. zu den beiden anderen viel Platz - auch standfeste Bremsen. Mit einer unserer alten Ténérés wäre es eine Schnapsidee gewesen, zu zweit darauf zu verreisen.

    2. Der Rahmen ist wesentlich schwerer weil sehr viel großzügiger dimensioniert: insgesamt länger und mit höherer Wandstärke ausgestattet. Die hintere Schwinge ist im ggs. zu den Schwestermodellen kein profanes Stahlblech sondern ein wirklich edel gefertigtes aber schon wieder großzügigst dimensioniertes Aluteil. Ersatzteilpreis: 1700 €...

    3. Der Motor ist wassergekühlt. Er gilt als einer der standfestesten Einzylinder überhaupt. Die XT 600 Z war zwar schon wesentlich standfester als die SR 500 die spätestens nach 40.000 km einen neuen Kolben gebraucht hat, die mit Öl unterversorgten Nockenwellen waren dann auch reif. Die 600er packte meist die 70.000 km, aber dann war zusätzlich noch ein neues Getriebe fällig.

    4. Ich kann mich erinnern dass mir 1986 bei meinen Schottertouren in den Alpen an der XT 600Z insgesamt vier Speichen gebrochen sind. Gott sei Dank hatte ein Yamahahändler in Briancon Ersatz. Bei der XT 660Z nach bisher 57.000 km kein Thema. Die Speichen sind auch deutlich dicker. Wahrscheinlich ist das Material auch besser, bisher gab es noch nicht mal Bedarf nachzuspannen. Das nur als Beispiel dafür, dass an diesem Motorrad ALLES sehr solide dimensioniert wurde.

    5. Schon allein an der Seitenständeraufnahme am Rahmenunterzug sieht man eine fast doppelte Wandstärke. Ich habe beide Teile Zuhause und konnte das vergleichen.

    6. Die "Z" ist regelrecht gepanzert mit hochwertigen, schlagzähen Kunststoffteilen die im Falle eines Sturzes ein paar Kratzer davontragen, aber nicht brechen. Auch der 23-Liter glasfaserverstärkte Kunststofftank ist sauschwer, wahrscheinlich ist er durch einen Sturz nicht umzubringen.

    7. Im ggs. zur CRF 1000 aber auch teilweise der Freewind verzichtet die "Z" auf die bei mir berüchtigten Schnapp- und Knackverbindungen der Verkleidungsteile bei denen man nie so genau weiß ob man jetzt noch ein Stück drücken muss oder ob dann etwas abbricht... dort ist alles solide verschraubt. Und das kostet einfach Gewicht. Und das nehme ich gerne in Kauf um einen reibungslosen Ablauf bei Wartungsarbeiten genießen zu können. So macht Selbstschrauben wieder Spaß.


    Insgesamt kann ich bestätigen dass ich mir aufgrund der Eckdaten dieses Motorrad ganz sicher nicht als erste Präferenz für zukünftige Geländeausflüge ausgesucht hätte. Ich bin aufgrund der wirklich günstigen Gelegenheit auf sie gestoßen und bei der Probefahrt hat sie mich sofort für sich vereinnahmt: Ihre schiere Größe hat mich nach der kompakten Freewind sofort begeistert, die Ergonomie entsprach eher der großen CRF 1000. Der potente Einzylinder steckte sogar den gewiss nicht schwächlichen Eintopf der Freewind drehmomentmäßig sofort in den Sack. Die Stabilität bei hoher Geschwindigkeit ist 1a, die Wendigkeit auf kleinsten Sträßchen und Spitzkehren ebenso.

    Die Geländeeignung: Die Federelemente sind von hoher Qualität, sie holen das beste aus den 210/200 mm. Das will heißen: Die Africa Twin ist mit ihren 235 mm natürlich besser, aber die Freewind ist um eine Zehnerpotenz schlechter. Und das Gewicht: es ist im Gelände nicht weg zu diskutieren. Aber mit der AT habe ich mich auf jeden Fall nochmal um 30 Kilo schwerer getan.

    Fazit: Sie kann alles. Manches sehr gut, anderes nur gut. Aber ich hatte noch nie ein Motorrad mit einem so breiten Spektrum an Einsatzmöglichkeiten. Und mit 4,0 Litern Schnittverbrauch ist sie auch eine der sparsamsten.

    Aber die 5-6000 € welche manche Verkäufer für ein zehn Jahre altes Modell mit 50.000 km glauben aufrufen zu können - die würde ich im Leben nicht ausgeben.


    Ich hätte tatsächlich gerne etwas mehr Rückmeldung. Aber viele schreiben nur EINEN Satz.


    Das sieht doch preiswert aus, sogar mit Alukoffer. Klar, die Farbe ist ungewöhnlich. Aber eine Maschine zu so einem Preis/Leistungsverhältnis habe ich hier in D schon lange nicht mehr gesehen.

    Nervt´s Dich? Hier gibt es sooo viele andere Spielplätze!

    Als ehemaliger Besitzer zweier neu gekauften Africa Twins habe ich vielleicht immer noch einen Bezug zu der Technik und es ist auch nicht ausgeschlossen dass ich zu einem späteren Zeitpunkt wieder zurückkehren werde. In der Zwischenzeit möchte ich informiert bleiben und schätze den Austausch mit anderen Forumsteilnehmern die ebenso über technisches Wissen und praktische Erfahrung verfügen. Sprücheklopfer gehören nicht dazu.

    Hallo Daniel,

    von mir Zuhause bis ins Friaul sind es 700 Kilometer, 400 davon Autobahn. Ich bin die Strecke zweimal in einem Rutsch gefahren und war davon keinesfalls gestresst. Allerdings besitze ich auch eine aufgepolsterte Sitzbank und zusätzlich ein von einem Autosattler speziell angefertigtes Auflagekissen, welches genau in die Kontur der Mulde der Serienbank passt. Im Gelände kann ich das Stück einfach entfernen und erreiche mit den Füßen wieder sicheren Boden.

    Auf diesen langen Reiseetappen habe ich weder Motorleistung noch Sitzkomfort vermisst. Konditionell sah ich keinen Unterschied zur Africa Twin, ich hätte am selben Tag noch entspannt 300 Kilometer weiter fahren können.


    Ja Aventiure, Du hast völlig Recht, die ABS Version ist ein schlechter Scherz aber keine richtige Enduro. Statt 210/200 mm Federwege besitzt sie nur 160/160, exakt das gleiche wie die Freewind.

    Nach ofiziellem Yamaha Statement wollte man damit die durch die ABS Regelintervalle ausgelösten Schwingungen bekämpfen, ich allerdings hege den Verdacht dass man damit v. a. zusätzliche Käuferschichten erschließen wollte. Das Standardmodell ist so erschreckend hoch dass der Normalbürger nur die Zehenspitzen auf den Boden bringt, und das trotz dieser furchtbar ausgeprägten Sitzbankkuhle die jegliches Herumrutschen verhindert. Im Gelände stört mich das nicht weil ich oft auf den Fußrasten stehe, auf langen Straßenetappen benötige ich das Kissen oder die aufgepolsterte Bank dagegen unbedingt.

    Angeblich soll bei der ABS Version sogar das Tankvolumen reduziert worden sein um in einer Ausbuchtung das Regelmodul unterzubringen. Ein User schimpfte im Forum, dass der Tank abgenommen werden müsste um an die Batterie zu gelangen. Dies ist bei meinem 2008er Modell alles nicht der Fall. Kürzlich bin ich 550 Kilometer mit einer Tankfüllung gefahren und hatte noch zwei oder drei Liter drinnen.


    Die italienische Onlinebörse für Kfz heißt übrigens subito. it

    Geht klar. Aber ich schaue auch nur bei mobile und ebay Kleinanzeigen rein. Und dann ist da ja auch noch mein Nachbar der immer noch nichts gefunden hat. Ich kannte mal die URL einer italienischen Motorradbörse, die war etwas besser bestückt aber ich finde sie gerade nicht auf die schnelle. Nutzt ja aber sowieso nichts wenn man erst nach Neapel fahren muss um sich mit dem Verkäufer dann per Google Translator zu "unterhalten"...

    Ich weiß nur noch dass die Anbieter selten den Unterschied zwischen den Spalten "XT 660Z" und "XTZ 660" gerafft haben.

    Falls Euch die XT 660Z als Zweitmotorrad weiterhin interessiert: Ich habe im Forum von Ténéré.de ebenfalls unter dem Namen "Reisender" zahlreiche Beiträge zu meinen Erfahrungen mit ihr und den vorgenommenen Umbaumaßnahmen verfasst. Leider ist das dortige Forum nicht mit diesem hier zu vergleichen - das Publikum ist dort dermaßen ausgedünnt dass monatelang keine neuen Beiträge zur XT 660Z erscheinen wenn ich sie nicht selbst schreibe. Im Augenblick stürzt sich alles auf die T7 (Ténéré 700). So ist´s brav, immer schön das Neuste konsumieren, genau wie es die "Fachpresse" empfiehlt! Auch wenn dieses Teil inzwischen schon mehr kostet als ich 2019 für meine nigelnagelneue CRF 1000 in Tricolor bezahlt habe!

    Aber leider sind die Umsteiger (besser: Aufsteiger) von der 660Z auf die T7 nicht bereit, ihr abgelegtes Material preiswert anzubieten...es scheint eher das Gegenteil der Fall zu sein.


    Auf meinen Youtubekanal habe ich einige Videos mit der XT 660Z hochgeladen:


    https://www.youtube.com/channe…sRGj4uGVyCLyp80XPQ/videos


    In den Videobeschreibungen gehe ich in den meisten Fällen detailliert auf die Inhalte ein.

    Viele Grüße!

    Das stimmt absolut, die Preise für die XT 660Z sind eigentlich kaum nachvollziehbar - verglichen mit anderen Motorrädern. Eine ähnlich alte V-Strom 650 mit ihrem hervorragenden V2 bekommt man für den halben Preis, oftmals in einem besseren Erhaltungszustand. Aber die Namensrechte an "Africa Twin" oder "Ténéré" sind für die Inhaber wie die Lizenz zum Gelddrucken - das Image spielt bei vielen Motorradfahrern leider eine größere Rolle als die Technik der Konstruktion. Das beste Beispiel dafür sind die unzähligen GSe auf den Straßen bei uns und am Gardasee. Ich weiß, das gibt jetzt gleich Ärger...

    Eine Ausnahme ist die XTZ 660, nicht zu verwechseln mit meiner XT 660Z: da gibt es reihenweise günstige Angebote, etliche sogar unter 2000 €. Die letzte einzylindrige Ténéré, also die XT 660Z, ist dagegen ausgesprochen selten unter 4000 € anzutreffen, aktuell habe ich schon seit mindestens einem dreiviertel Jahr kein attraktives Angebot mehr gesehen. Preise von 5 - 6000 € trotz Kilometerleistungen um die 50.000 sind die Regel - auch wenn sich kein Käufer dazu findet. Aber das Angebot ist begrenzt, ich sehe monatelang immer nur die gleichen Inserate unverändert stehen. Auch mein Nachbar ärgert sich, nach dem Verkauf seiner ihm ergonomisch viel zu kleinen Versys 650 hatte er sich für die XT 660Z interessiert aber er findet nichts Bezahlbares. Angeblich sind in Deutschland lediglich weniger als 190 Exemplare zugelassen worden. In Spanien doppelt so viele, in Italien sogar fast 1000. Sie ist ja auch eine Italienerin, auch wenn Yamaha draufsteht. Der Motor kommt von Minarelli, die Bremsen und Felgen von Brembo, das Federbein von Sachs, der voluminöse 23 Liter Kunststofftank, der in Wirklichkeit knappe 25 Liter fasst, ist eine deutsche Konstruktion. Ach ja die 'Gabel - die ist von Kayaba, also japanisch. Montiert wird alles in Italien.

    Hätte ich mein Exemplar nicht für unglaubliche 3250 € inklusive umfangreichem Zubehör ergattert wäre ich niemals auf die Idee gekommen mir so eine zuzulegen. Aber jetzt nach meinen mit ihr gemachten Erfahrungen bin ich natürlich heilfroh eine zu besitzen und weiß ihren Wert sehr zu schätzen. Es hatte sich also gelohnt, dreimal täglich die Anzeigen zu checken. Ich war der erste.

    Weshalb die ältere XTZ 660 so günstig zu bekommen ist, ist mir ein Rätsel. Die noch älteren luftgekühlten Ténérés mit den Werksbezeichnungen 34L, 55W, 1VJ und 3AJ werden teilweise zu Horrorkonditionen gehandelt, eine 55 W steht aktuell für 8000 € in den Kleinanzeigen, wir hatten 1985 für so eine Neumaschine noch 5900 DM bezahlt...

    Die fünfventilige XTZ 660 scheint nicht ganz so standfest zu sein wie ihr vierventiliger Nachfolger XT 660Z die bei dem Weltenbummler Pavlin auf dem Kanal "motorcycleadventures" die 190.000 km ohne Motorrevision erlebt hat. Sicher wäre sie noch älter geworden hätte er sie nicht durch einen selbstverschuldeten Auffahrunfall in Istanbul verschrottet. Jetzt fährt er die Ténéré 700 und bekommt dadurch zahlreiche neue Abonnenten.

    Der Gipfel an Unzuverlässigkeit war jedoch mit Abstand die 1VJ der Jahrgänge 1986 und 1987. Yamaha hat es niemals geschafft den vom kühlenden Luftstrom weitgehend abgeschnittenen Einzylinder durch Nachbesserunegen standfest zu bekommen und überließ die Kunden ihrem Schicksal... und dennoch war sie damals die mit Abstand erfolgreichste Ténéré und wird heute immer noch zu Traumpreisen gehandelt. Aber auch alle anderen Ténérés mit dem alten luftgekühlten Motor bekommen spätestens nach 60 - 70.000 Kilometern Getriebeprobleme und sind deshalb eher für schrauberbegabte Enthusiasten empfehlenswert. Absolut standfeste und wartungsarme ehemalige Technologieträger wie die VFR 750 oder als 800er sogar mit ABS, Benzineinspritzung und einem Motor, der viele 100.000 Kilometer ohne notwendige Ventilspielkorrektur klaglos läuft werden dagegen einem zum Spottpreis hinterher geworfen. Logik und Vernunft spielen bei menschlichen Entscheidungen eben nicht immer die Rolle, die ihnen eigentlich zukommen sollte...

    Was für einen Treffer Du gelandet hast el_caBone!

    Sorry dass meine Antwort jetzt erst eintrifft, ich habe gerade die alten Themen durchgelesen um mir meine damaligen Gedanken und Beweggründe wieder vor Augen zu führen die zum Verkauf meiner AT geführt haben. Man vergisst so vieles im Laufe der Zeit!

    Nach einem Intermezzo 2020 mit der fahrwerksseitig nicht ganz so für groben Schotter geeigneten Suzuki Freewind bin ich auf die Yamaha XT 660 Z Ténéré gekommen. Aber der Reihe nach:

    Wie schon oben beschrieben entlastete mich die Freewind, meine Vierte übrigens, von der Verantwortung für ein wertvolles und teures Motorrad wie meine CRF 1000. Tatsächlich bin ich mit der Freewind im Friaul auch zweimal gestürzt ohne dass mich das auch nur einen Cent an Plastikteilen gekostet hätte - sie hat das mit ein paar fast nicht sichtbaren Kratzern weggesteckt. Einer dieser Stürze, eigentlich eher ein "Umkipper", war aber auf die mangelnde Geländeeignung dieser wohl eher als Straßenmaschine zu bezeichnenden "Enduro" zurückzuführen. Ich legte mich an einer anspruchsvollen Stelle während der Auffahrt zum Monte Zoufplan hin, während ich die gleiche Passage ein Jahr zuvor mit der AT noch wegfedern konnte. Die ganzen Aktionen sind übrigens auf meinem Youtube Kanal dokumentiert, z.B. "2020 Friaul: Sieg und Niederlage am Zoufplan..." Lies unbedingt meine ausführlichen Kommentare zu den verschiedenen Beiträgen!


    https://www.youtube.com/channel/UC8Ig8sRGj4uGVyCLyp80XPQ


    Ich weiß zwar dass bestimmte Forumsteilnehmer gleich wieder schreien werden "der Typ kann ja nicht fahren!" - geschenkt. Ich habe keine Probleme damit Selbstkritik zu üben, durchschaue aber auch sofort wenn sich einer aufbläst um sich selbst als toller Held zu produzieren... manche haben das ja nötig.

    Jedenfalls veranlassten mich die Erfahrungen mit den beschränkten Fahrwerksressourcen meiner Freewind schon 2020 Ausschau nach geländegängigerem Gerät zu halten. Meine Zielvorgabe längere Federwege bei geringerem Gewicht konnte ich allerdings innerhalb meines Budgetrahmens trotz monatelanger Suche in den Kleinanzeigen nicht verwirklichen. Es wurde eine überraschend preiswert ganz in der Nähe meines Wohnortes angebotene XT 660Z Ténéré mit fast 50.000 km auf dem Buckel, u. a. klebte an ihr noch marokkanischer Saharastaub... also durchaus ein Kauf mit Risiko. Aber ich habe Glück gehabt. Nach inzwischen 9000 pannenfreien Kilometern weiß ich, dass diese extrem wartungsfreundliche und belastbare Konstruktion sehr zuverlässig ist. Obwohl mir diese Version einer Ténéré nie besonders gefallen hat, ich fand sie mit ihrem Pferdegesicht zu hässlich, zu schwer und angesichts des Gewichts zu schwach, entpuppte sie sich im Nachhinein als die eierlegende Wollmichsau. Während mein Freund Michael sich immer zwischen seiner Husqvarana 701 Enduro fürs Gelände und seiner Aprilia Dorsoduro 900 für die Straße entscheiden muss bin ich mit der XT immer für jeden Zweck gut gerüstet. Sie macht einfach Spaß. Auch dazu einige Videos auf meinem Kanal...

    Sind die jetzt billiger geworden? Super. Das war anfangs bei der DL 1000 V-Strom ABS (ab 2014) ganz genauso. Zuerst 50, 60 € E pro Stück, im Laufe der Jahre sind die dann auf das übliche Zündkerzen - Preisniveau abgerutscht.

    Nur habe ich meine CRF 1000 schon vor über einem Jahr verkauft und bin recht glücklich mit dem Entschluss. Die Zündkerzengeschichte war einer der Gründe die da mitgespielt haben.

    Hallo Stivi,

    Du sprichst da ein wichtiges Thema an mit den freien Werkstätten bzw. vertrauenserweckenden Mechanikermeistern. Hier in unserem Ballungsraum Rhein - Neckar kannte ich eigentlich nur eine solche Adresse, sie nannte sich Zylinderschleiferei König. Dieser Herr König war einer der ersten offiziellen Hondahändler in Deutschland und weithin für die Qualität seiner Arbeit bekannt, er genoss in informierten Kreisen einen hervorragenden Ruf als bescheidener, weniger gewinnorientierter als vielmehr von präziser Arbeit besessener Einzelkämpfer und Motorradliebhaber. Manchmal war der Umgang mit ihm nicht leicht, aber so ist es nun mal mit Genies. Meine Frau und ich flogen einmal aus seinem Laden, weil ich es gewagt hatte, die damals gerade erschienene 6-Zylinder CBX 1000 als "wahrscheinlich ziemlich unhandlich" zu bezeichnen... :D

    Viele Kunden kauften irgendwo anders wo es billiger war aber für die Inspektionen kamen sie dann zu ihm. Honda Deutschland kickte ihn leider aber schon Anfang der neunziger Jahre aus dem Händlernetz weil er sich weigerte, Millionensummen in einen repräsentativen Showroom zu stecken. Hier im Ballungsraum machten dann zwei andere Händler das große Geschäft mit der expandierenden Marke: beide zweifelhaften Ursprungs, unzuverlässig im Service aber dank Lockangeboten umsatzstark. Die liederliche Qualität ihrer Werkstätten musste das belastbare Material von Honda kompensieren. Herr König übernahm noch eine zeitlang die Inspektionen und Reparaturen für seine ehemaligen Kunden auf freischaffender Basis. Später hat er sich dann voll und ganz der Instandhaltung von japanischen Motorrädern der sechziger und siebziger Jahre verschrieben, vorrangig natürlich Honda. Ich habe ihn vor fünf Jahren nochmal kontaktiert, nachdem ich nach zwanzig Jahren Abwesenheit wieder nach Ludwigshafen zurückgekehrt war. Er hat mir völlig unentgeltlich Tipps und Material gegeben, damit ich einen durch den Vorbesitzer verursachten doppelten Standrohrschaden an einer 750er VFR ohne teuren Austausch beheben konnte. Inzwischen ist er im Ruhestand und ein Reichtum an Expertise wird für immer verloren gehen... und ich sehe außer den aufgeblasenen "Money-Making-Machines" keine vertrauenswürdigen Alternativen. Vielleicht bin ich unter den Privatleuten als gelernter Mechaniker mit über 40 Jahren Schraubererfahrung sogar selbst noch das kleinste Übel... soviel zur aktuellen Lage hier im Rhein Neckar Raum und der Honda - Werksphilosophie. Ich erkenne zwar an dass die Ingenieure in Kumamoto herausragende Arbeit leisten, ebenso das ehemalige Research and Development Center in Offenbach, aber der aktuelle Vertrieb in Europa und die Kalkulation der Ersatzteilpreise (Bsp. Sitzbank Honda VFR 750 F ´91: 800 €!) lässt mich nicht zu einem unvoreingenommen Honda-Fanboy mutieren. Solche Marktmacht-Aktionen wie das EU-Monopol auf die passende NGK-Zündkerze damit der Kunde genötigt ist in den USA zu bestellen weil die dortige Rechtslage einen solchen Wildwuchs untersagt lösen bei mir eine Gegenreaktion aus.

    Genau dies - und ihre schrauberunfreundliche Verbautheit welche ich erst nach dem Kauf erkannte - haben trotz der hervorragenden Fahreigenschaften einer Dauerbeziehung keine Chance gelassen. Zudem ich mein Motorrad jedes Jahr im September auf mehr oder weniger anspruchsvollen Schotterpisten bewege und einen Sturz immer einkalkulieren muss. Im Falle der AT würde das für mich außergewöhnlich teuer oder wertmindernd ablaufen, für Honda dagegen außergewöhnlich erfreulich.

    Sollte ich in zehn Jahren noch fahren können und dann eine gut erhaltene SD06 für 3500 € zu bekommen sein - inflationsbereinigt vielleicht 4500 - dann reden wir nochmal drüber....;)

    Viele Grüße und bleibt gesund!


    Danke efjot, das wünsche ich Dir auch!

    efjot?

    Eine FJ 1200 mit 130 PS hatten wir auch ein paar Jahre, meine Frau fuhr sie von 1988 - 1990. Die war so elastisch und durchzugsstark, die hätte fast gar kein Getriebe gebraucht. Und ein tolles Design: Bleu-Blanc-Rouge. Wir haben sie in bester Erinnerung... :thumbup:


    Hallo ck1,

    wenn ich mich von einem Motorrad schon nach kurzer Zeit wieder trenne weil ich zu der Überzeugung gelangt bin dass es nicht das Richtige für mich ist, dann muss ich abwägen ob mir der Erkenntnisgewinn und das zwischenzeitliche Fahrvergnügen meinen finanziellen Verlust, also den Differenzbetrag zwischen Einstands- und Verkaufspreis, wert waren. Aber ein Minus hat man in der Regel immer. Im Falle der SD06 war es mir das durchaus wert, weil das Erlebnis lohnenswert war und ich ausgestiegen bin bevor weitere Investitionen anstanden. Sicher hätte die Rechnung anders ausgesehen hätte ich mich auf Schotter flach gelegt und vielleicht 2000 € in Plastik investieren müssen. Das ist eine Verantwortung die man beim Besitz einer Neumaschine eben tragen muss.

    Es gibt aber auch Ausnahmen: Bei zweien meiner Motorräder habe ich sogar noch einen Gewinn erzielen können, jedenfalls wenn man nur den finanziellen Aspekt und nicht die Arbeitszeit in die Rechnung einbezieht.

    Der erste Fall war eine 97er Freewind mit Motor- und Vergaserschäden die ich für 300 € erstand inkl. H/B Koffersatz, Träger, Topcase, Sturzbügel, Hauptständer und Handprotektoren. Der Vorbesitzer hatte nach mehreren erfolglosen aber kostenpflichtigen Instandsetzungsversuchen einer Hinterhofwerkstatt dermaßen die Faxen dicke, dass er die Freewind sechs Jahre in einer Garage verstauben ließ um sie mir dann fast zu schenken. Diese Werkstatt hatte dann auch noch die Verkleidungsschrauben verschlampt, weshalb ich außer einem sprichwörtlichen "Nakedbike" auch noch einen Haufen Plastikteile mitbekam...

    Ich musste eine Zylinderfuß-, eine Zylinderkopf- und zwei Ventildeckeldichtungen investieren, zwei Vergaser-Reparatursätze und einen für den Benzinhahn, verschieden Gummidichtungen am Benzintank, einen Kettensatz und einen Tachoantrieb. Die fehlenden Verkleidungsschrauben, mit Spezialkontur nicht durch Standardschrauben ersetzbar, bekam ich zum Glück preiswert über die Bucht. Was ich da an Arbeitszeit investiert habe muss enorm gewesen sein, mehr als 100 Stunden dürften da im Laufe zweier Jahre bestimmt angefallen sein. Aber es wurde ja die Maschine meiner Tochter, und der berechne ich ja keine Stundensätze... ^^Für mich war es ein relativ risikofreies Bastelprojekt bei dem ich viel dazugelernt habe, inkl. dem Versuch ein Ventil einzuschleifen.

    Die Maschine konnte ich zwei Jahre später für 1200 € verkaufen, für die abmontierten Kofferträger, Koffer, Topcase, und Sturzbügel bekam ich von verschiedenen Kunden auch nochmal 500 €. Die ganzen Dichtungen und Reparatursätze schlugen mit ca. 150 € zu Buche. Würde ich solche Aktionen erwerbsmäßig betreiben wäre ich wahrscheinlich nicht ganz dicht, aber als Hobbyprojekt mit einem solchen Abrechnungsergebnis war es dann doch erfreulich.

    Das zweite "einträgliche" Motorrad war eine praktisch im Neuzustand erhaltene Suzuki DL 650 V-Strom ´04. Der Vorbesitzer war ein Fahrradmechanikermeister der mich in Sachen Sorgfalt, Hingabe und Bastelleidenschaft noch bei weitem übertraf. Das Motorrad war trotz 35.000 km und einem Alter von 13 Jahren einer Neumaschine in meinen Augen vorzuziehen und kostete dennoch inkl. Zubehör im Wert von 2000 € nur komplett 2700. Drei Jahre später sah mein Käufer das ähnlich und so konnte ich sogar nach Abzug sämtlicher von mir zwischenzeitlich getätigten Investitionen einen zwar bescheidenen, aber immerhin vorhandenen Gewinn verbuchen.

    Bei einem Neukauf sind solche Glückstreffer natürlich nicht möglich.

    Viele Grüße!


    So, jetzt ist aber Schluss, wie schon einer sagte, ich wollte mich ja eigentlich nur verabschieden.

    Vielen Dank für die Reaktionen auf meinen Beitrag, Eure Geduld beim Lesen meiner ausführlichen Statements - daran erkennt man den Ruheständler - und viel Spaß und tolle Erlebnisse mit Euren Africa Twins!

    Und hoffen wir, dass die Pandemie nicht unsere Reisepläne über den Haufen wirft.


    Viele Grüße, hoffentlich doch noch frohe Feiertage und - bleibt alle gesund!

    Robert