Nach langem und reiflichem Überlegen will ich mich nun auch mal zu diesem Thema äußern.
Ich stehe, genau so wie die anderen Verkehrsteilnehmer auch, nicht gerne im Stau.... ABER ich denke, dass es unter bestimmten Voraussetzungen unabdingbar ist.
In dieser Diskussion werden die Argumente meines Erachtens oft etwas verzerrt. Es wird z.B. einerseits gemutmaßt, dass nur ca. 10% der Staus vor einem Unfall enden. Andererseits ist der Stau bei übermäßig hohen Temperaturen als Argument sehr häufig genannt.
Ich habe die einzelnen Standpunkte versucht zu verstehen und bin dabei häufig zu dem Schluss gelangt, dass der eigene Individualismus häufig stärker gewichtet wird als die Situation, die aus dem Handeln entstehen kann.
Wenn es mal richtig gekracht hat, haben die Rettungskräfte einen enorm hohen Platzbedarf. Viele gehen in ihrer Vorstellung von einem Blechschaden aus der weitestgehend unproblematisch zu behandeln ist, das ist aber nicht immer so. Selbst auf einer dreispurige BAB wird es dann eng. Meist sind zwei Spuren schon durch die Unfallfahrzeuge blockiert und die Rettungskräfte müssen ja auch mit Ihrem Gerät dorthin... also dritte Spur auch dicht => Vollsperrung. Der fließende Verkehr hält im besten Fall so ca. 20m vor der Unfallstelle und bildet den Stauanfang. Die Fahrzeuge stehen gerade am Stauanfang sehr dicht, weil durch das starke Abbremsen vor dem Unfallgeschehen die Fahrzeuge nah auffahren. Die Rettungskräfte haben nun, auf einer dreispurigen Autobahn incl. Standstreifen, einen Platz von ca. 16m x 20m zur Verfügung um sich zu entwickeln. Das würde gerade mal ausreichen um die anrückenden Fahrzeuge (2x Löschgruppenfahrzeug, weil mindestens 2x Rettungsschere/ Spreizer, mind. 2x Rettungswagen, Notarzt, Rüstcontainer, Einsatzleitdienst und schließlich und Endlich ja auch die Polizei mit ca. 2 Fahrzeugen) aufzustellen. Aber man könnte noch nicht damit arbeiten weil das gesamte Equipment ausgepackt werden muss. Alleine ein Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug würde im Einsatzfall eine Fläche von ca. 10 m x 20m (Fahrzeugstellfläche, Geräteablage, Schrottablage, Verletzenablage) benötigen.
Ein spitzfindiger Leser könnte jetzt argumentieren, dass ja hinter der Unfallstelle genug Platz ist. Stimmt, wenn man dort hinkommen kann ist das richtig, aber die Geräte sind sehr schwer und die Einsatzkräfte müssen alles per Manpower zur Einsatzstelle tragen. Dort steht im besten Fall das zweite Löschgruppenfahrzeug. Der evtl. freie Platz um die Unfallstelle wird benötigt um den Rettungskräften die An- und Abfahrt zu ermöglichen.
Soweit zur Situation. Jetzt arbeitet hier der Feuerwehrmann, oder der Notfallsanitäter in seiner Schutzkleidung incl. Helm, bei besagten 30 bis 40 Grad ohne Schatten in der Sonne. Er hat Zeitdruck und Stress in dieser Situation, diese Einsatzkraft arbeitet gerade unter Höchstleistung.
UND JETZT KOMMT EIN MOTORRADFAHRER UND VERLANGT / ERWARTET ODER ERBITTET VON IHM DASS ER SICH IM PLATZ EINSCHRÄNKEN SOLL WEIL ER DURCHFAHREN WILL.... ES IST IHM ZU HEISS IN SEINER LEDERKOMBI => MUTIG !!!
=>Die Priorität der Einsatzkraft sieht folgendermaßen aus. Unfallstelle sichern, Verletzte Retten, Schaden begrenzen/beseitigen. Die Betreuung von überhitzten Motorradfahrern ist da ziemlich weit unten angesiedelt.
Kein Verkehrsteilnehmer kann am Stauende wissen, was ihn am Stauanfang erwartet. Genau deshalb ist es unvertretbar dort durchfahren zu wollen. Jedes einzelne Motorrad würde vom dort vorhandenen Platz etwas weniger als 2m² beanspruchen und die Situation wäre nicht mehr behebbar, wer einmal dort eingefahren ist, ist drin und kommt nicht mehr weg.
Mein Lösungsansatz wäre folgender. Bei hohen Temperaturen die BAB meiden, ist ja eh schlecht für die Reifen und die Kurven sind auch nicht so interessant. Auf der Landstraße fahren, dort könnte man schneller eine Ausweichroute finden.