Probefahrt auf einer BMW R 1250 GS aus der Sicht eines AT Piloten

  • #1


    Am 26. März 2022 nahm ich die Gelegenheit wahr, beim Saisonstart von MCA Altendiez eine kostenlose Probefahrt mit einer BMW R 1250 GS zu unternehmen.

    Saisonstart MCA Altendiez

    Die Veranstaltung ist ein Event des lokalen Motorradhändlers in Altendiez (bei Limburg an der Lahn). (Link zum Veranstalter) Hier kann man unter anderem mit Bikes von Honda, BMW, Ducati, Aprilia und am nächsten Wochenende KTM und Husqvarna (in Limburg) zur Probe fahren. Für die Fahrt steht dem Fahrer ein Zeitfenster von 30min zur Verfügung.

    Die Probefahrt

    Die Formalitäten waren schnell erledigt. Es wurde der Führerschein kontrolliert und der Personalausweis zur Sicherheit hinterlegt. Dann ging es zum Bike. Nach einer kurzen Instruktion durfte ich mich auf die Straße begeben. Anders als bei anderen Veranstaltungen, fährt kein Scout vornweg. Ich konnte mich also ganz auf das Motorrad konzentrieren.

    Natürlich hat man bei einem so kleinen Zeitfenster von 30 min keine Möglichkeit ein Motorrad richtig kennen zu lernen. Auch war keine Zeit, um mich mit dem Cockpit (auf dem noch die Schutzfolie klebte) zu beschäftigen.

    Das Folgende sind also rein subjektive Eindrücke, die ich bei der Fahrt sammeln konnte.

    Ich muss zugeben. Ein wenig aufgeregt war ich schon. Es war das erste Mal, dass ich auf einer BMW gefahren bin. Wie man so schon sagt, der ist der erste Eindruck maßgebend. Es war ein vertrautes Gefühl, als ich im Sattel saß. Der Zündschlüssel konnte in meiner Jackentasche verstaut werden. Die Zündung wird mit einem Knopfdruck aktiviert. Danach kann der Motor gestartet werden. Kupplung gezogen und Ganghebel nach unten gedrückt. War der Gang wirklich drin? Von meiner Africa Twin bin ich es gewöhnt, dass ein Ruck durch das Bike geht. Bei der BMW nicht. Im Cockpit war eine 1 zu lesen, also muss wohl ein Gang drin sein.


    Wo sind die Fußrasten? Wurden die vergessen anzubauen? Bei meiner Africa Twin kenne ich es so, dass meine Füße senkrecht unter den Knien auf den Fußrasten stehen. Senkrecht unter den Knien war nichts. Ich musste die Füße irgendwie nach innen biegen um auf die Rasten zu kommen. Und der Bremshebel ist noch weiter innen. Sehr ungewohnt.


    Losgefahren. Auf einem Veranstaltungsgelände mit vielen, vielen Bikern. Kaum einer ging zur Seite. Also um die Biker herum gezirkelt. Und das mit einem fremden Motorrad. Das Tor war zur Hälfte zugezogen. Und es saßen noch 2 Jungs auf Stühlen in der Durchfahrt um zu kontrollieren, dass kein Besucher mit seinem eigenen Bike auf das Gelände fährt. Die Euter stehen ab. Bestimmt noch die Nippel heraus, und ich muss da durch. Passt das überhaupt?

    Nun war ich doch auf der Straße angelangt. Ich überlegte wohin ich fahren könnte, was ca. 15 min entfernt ist, damit ich zur vorgegebener Zeit wieder zurück bin. Ich entschloss mich zum Herthasee zu fahren, und dort ein Foto zu machen. Das ist eine Strecke von 8,5 km. Eigentlich zu wenig. Aber was anderes fiel mir nicht ein.


    Ich fuhr also los. Merkwürdige Vibrationen begleiteten die Beschleunigung zwischen 2000 bis 3000 U/min. Ich vermutete, dass das wohl normal bei einem Boxermotor ist. Das Motorrad war nagelneu. Kann also nicht schon defekt sein. Auch der 2. Gang ging rein ohne dass ich es merklich spürte. Das hat mich positiv überrascht. Aber jetzt. Beim Einlegen des 3. Gangs knallte es hörbar im Getriebe. Na also doch. Man spürt den Gangwechsel auch bei einer BMW.

    Was mir sofort auffiel, war die Härte, aber auch die Bequemlichkeit der Sitzbank. Ich denke für lange Strecken, zum Beispiel auf der Autobahn, ist sie noch besser als meine bei Jungbluth umgebaute Sitzgelegenheit.


    Aus dem Ort raus. Mist Autos vor mir. Und die auch noch im Schneckentempo. Keine Möglichkeit, mal am Gasgriff zu drehen. Aber es kam die Gelegenheit, die Schnecken zu überholen. Wow. Das Mehr an PS ist deutlich zu spüren. Über der Marke von 3000 Umdrehungen läuft der Motor schön ruhig.

    Fotoshooting. Ich, noch den Helm auf der Rübe, hole mein Smartphone raus und mache ein Bild mit dem See im Hintergrund. Ich bemerkte nicht, dass es unscharf war. Aber egal. Es ging ums Fahren.


    Zeit zurück zu fahren. Freie Bahn. Keine Autos vor mir. Der Motor müsste mittlerweile warm sein. Also um mit dem Hebel. Mal sehen was passiert. Und es passiert was. Die mehr PS sind deutlich zu spüren. Ich war verdammt schnell auf 130 km/h. Keine Ahnung welchen Gang ich eingelegt hatte. Aber die nächste Kurve kam schnell näher und ich musste in die Eisen gehen. Die Bremsen verzögern sau gut. Besser als an meiner AT.


    Die BMW verfolgt den eingeschlagenen Kurvenradius mit stoischer Ruhe. Auch bei hohen, oder gerade bei hohen Geschwindigkeiten. Das bedeutet aber auch, dass das agile Fahrverhalten, das ich von der AT kenne, bei der ich in der Kurve noch entscheiden kann, ob ich gerade sitzen will, oder das Motorrad in die Kurve drücken möchte, bei der BMW nicht spüren kann. Im Vergleich zu BMW fährt sich die AT wie ein Mopped. Sie ist so einfach zwischen den Beinen hin und her zu werfen, bald wie ein Fahrrad. Die BMW fühlt sich verdammt schwerfällig an.


    Das Windschild, ich habe es während der Fahrt in die oberste Position gedreht (kappt wunderbar einhändig) macht seine Sache gut. Es kommen auch bei 130 km/h nur leichte Vibrationen am Helm an.


    Zu schnell war ich wieder in Altendiez um dort die BMW abzustellen. Eine Zeit von 30 Minuten reicht wahrlich nicht aus. Für nichts. Nicht für ein richtiges Gefühl von dem Motorrad zu bekommen. Nicht um Fotos zu machen. Schon gar nicht um sich mit den vielfältigen Einstellungen im Cockpit zu beschäftigen.

    Es waren tolle 30 Minuten, die ich nicht missen will. Es wird nicht die letzte Probefahrt mit einem mir unbekannten Motorrad sein. Die nächste wird auf einer KTM 890 Adventure sein. Der Kontakt zum Verkäufer in Limburg ist schon hergestellt.

    Würde ich mir eine BMW R1250 GS kaufen?

    Mal angenommen ich hätte endlich das Glück im Lotto zu gewinnen, würde im Geld schwimmen: Na klar. Und sei es nur um 1-mal im Jahr an die Ostsee in Urlaub zu fahren. Denn lange Autobahnetappen sind bestimmt entspannter zu bewerkstelligen. Der Windschild hält den Wind gut ab. Alles fährt sich unaufgeregt.

    Sollte ich mich zwischen einer Africa Twin und der BMW entscheiden müssen, ich würde die Honda nehmen.

    Fazit:

    Wollt ihr mal ein langweiliges Motorrad fahren, fahrt die BMW. Langweilig meine ich jetzt hier nicht negativ. Sondern im Sinne von: Es fährt einfach. Es tut das, was es soll. Keine Aufregung zu spüren. Keine Action.


    Weitere Themen und Tipps in meinem Blog:

    www.theo-enduro.de

    --- From dust we come,into dirt we ride ---

    :auto-dirtbike:

  • #2

    Danke, das war ein toller Bericht.

    So was habe ich auch letztes Jahr mit einer Kawasaki Versys 1000 gemacht.

    Super bequem, toller Vierzylinder Motor, sehr handlich und kurdenfreudig auf der Landstraße.

    Was mich überzeugt hatte, wäre ein DSG Automatikgetriebe. Das war das einzige aber entscheidende KO Kriterium.

    Bin auch bei meiner AT geblieben.

    Mit Automatik wäre ich schwach geworden.

    LG Walter

    AT SD06 2018 mit DCT in Tricolor. :biker1::auto-checkeredflag:

  • #4

    Hallo Theo,


    Danke für deinen Bericht. Eine Probefahrt über 30 Minuten kann höchstens Lust auf eine weitere, oder größere Probefahrt machen. Oder auch nicht.

    Ich bin mit der GS etwa 2 Stunden unterwegs gewesen und war von dem Motorrad begeistert.

    Weniger gefällt mir die elefantöse Optik. Dagegen wirkt die AT wie eine zierliche und schmalbrüstige Gazelle.

    Aber bitte jedem nach seinem Geschmack.

    Bernd


    Viele Grüße aus der Pfalz

    Dringendes To-Do: Seifenblasen pusten und Luftschlösser bauen.:blumen2:


    Aktuell:
    Africa Twin CRF1000L Tricolor DCT Mod.2019 :atblue:

  • #6

    Mir ist ja meine Dicke Adventure Sports SD06 schon zu wuchtig! Ein Kollege fährt die GS1250 Adventure, da passt die ATAS gefühlt 1,5 Mal rein! Ja die GS fährt gut, hab sie mal Probe gefahren. War aber absolut nicht meins...


    Ich bin gerade von einer 1600km Tour aus dem Elsass und Vogesen zurück gekommen, mit der KTM 690er Enduro R. Die hat wirklich Spaß gemacht! Bei mir geht der Trend daher zum Leichten/Wendigen. Nur auf der Autobahn möchte ich mit der Kati nicht länger fahren, das nervt!

  • #7

    Hallo Theo,


    vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht.


    ....würde ich mir eine Rocket oder eine K1600 ins fenster stellen. Wer hat schon 2,5l oder einen 6 zyli im Moped, zum Spass haben habe ich ja die AT. :wboy:

    Soviel Weißheit kann selbst ich nicht toppen :clap:

    Gruß Berndte


    Kein Motorrad ist illegal.


    2020 ATAS SD09 DCT

  • #8

    Ich finde den Bericht lang. Die meisten Sätze sind universell für diverse Motorräder verwendbar. Die Sätze wo tatsächlich 1250 drin steht dann aber nicht.


    Im Beitrag #7 über meinem Beitrag steht, daß es Top-weise ist das jemand der ein Motorrad gekauft hat dasselbe Motorrad wieder kaufen würde (oder zumindest die Absicht erklärt). Da bin ich mir nicht sicher wie das gemeint ist: Gilt das für alle Motorräder oder nur für die AT? Gilt das für jeden aus dem Forum oder nur für den Ersteller des ersten Beitrages?

  • #9

    Danke für deinen Bericht. Es ist immer gut mal über den Tellrand zu schauen.


    Ich habe lange Jahre in der Branche gearbeitet und bin immer wieder mal das aktuelle Modell gefahren, habe lange gebraucht um mich an die Eigenheiten wie Blinkerschalter, Konstantfahrrukeln, Getriebe und engen Beinwinkel zu gewöhnen.

    Mittlerweile haben Sie viele dieser Dinge abgestellt. Was geblieben ist und was mich auch von KTM abhält...Die Geschwindigkeit. Ich bin permanent zu schnell unterwegs. Zu schnell für den Erhalt meines Führerscheins, aber das geb ich offen zu, auch zu schnell für mein Fahrkönnen.


    Seit es DCT gibt haben es die anderen Bikes es eh noch schwerer.


    Die AT ist so herrlich unaufgeregt und souverän ohne mich permanent zu fordern.

    Eine klassische Kawa 900 RS wäre mein Favorit, aber nicht als Ersatz sondern allenfalls dazu. Aber vorher würde ich noch eine leichte 250/300 er kaufen, oder eine CM 1100 mit DCT, eine Enfield, eine alte XT, eine Mash....


    nicht enden wollende Liste und Grüße

    HeinoAT

    Manchmal

    sind es nur ein paar Zeilen die uns den Tag verschönern

    Warme Worte für den ganzen Tag

    Ein kleiner Gruß von ganzem Herzen ❤

    Und zwischen den Zeilen ist ein Zauber verborgen, der aus Wolken Zuckerwatte und aus Sorgen Pusteblumen macht.

  • #10

    Ich habe 2x 1200 GS Adventure und 1x 1250er GSA mein Eigen nennen dürfen.

    Habe die 1200er ca 15.000 km gefahren die 1250 ca 4.500km. Klar fahren die GS´n prima.

    Mir sind sie definitiv auf Dauer zu langweilig. Ich will es mal anders ausdrücken.

    Ne GS 1250 ist wie ein 5er BMW Dienstwagen. ER/SIe kann alles perfekt und man fühlt sich aufgehoben.


    Genau so muss mein Dienstwagen sein. Aber beim Motorrad fahren will ich Emotionen. Die kann man mit einem Boxer so mein Eindruck nicht mehr haben. Der Sound und die Leistungsabgabe sind einfach perfekt emotionslos.

    Ich bin immer wieder auf die GS gekommen da mein Kumpel bei BMW gearbeitet hat und ich die Maschinen immer für einen guten kaufen konnte. NAch 6 Monaten habe ich sie dann für den gleichen Preis 6.000-6.500 km gefahren und verkauft.

    Somit war es für mich immer eine gute Rechnung. Die GSAdventure lässt sich prima wieder verkaufen.


    Jetzt bin ich mit fast 50 soweit das ich mir mit absoluter Sicherheit keinen BOXER mehr kaufen werde.


    Aber das sind meine Eindrücke und Erfahrungen zur GS. Anderen wird es anders gehen, sonst würde Sie sich nicht so gut verkaufen.

    Von Preisstabil kann man bei einer GS nicht sprechen. Bei den Stückzahlen die auf den Markt geworfen werden . Somit sind auch 6 Monate nach Erstzulassung viele in den Verkaufsplattformen. Somit muss man auch beim Verkauf unter den 20 günstigsten sein.


    Mit der 2021er DCT ATAS bin ich mehr als zufrieden.


    LG Andreas

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