Endlich die Lösung: der Anlasser war das Problem

  • #1

    Der Leidensweg:

    Als ich merkte, dass der Anlasser nicht mehr so kräftig durch zog war ich ohne Zweifel: die Litium-Batterie ist nach fast 100“km einfach fertig. Also wurde es eine neue Aliant10Ah… es war schon besser, aber nicht perfekt. Als nächstes tauschte ich das Startrelais… wieder etwas besser… So fuhr ich den Sommer durch auch ohne weitere Probleme (doch nie war ich vom Startverhalten wirklich überzeugt). Es wurde die letzten 15“km einfach schleichend schlechter. Neulich bei 12°C auf 2000m dachte ich beim morgendlichen Start: Sch… Es hörte sich so an als wäre die Batterie fast leer.

    Von Anfang an hatte ich den Anlasser schon in Verdacht und hab mir vor einigen Monaten auch schon mal einen in ebay gekauft (neuwertig incl Startrelais und Kabel für 55EUR. Honda bietet den zum Schnäppchenpreis von 1050EUR an, als Originalteil in Japan 280EUR… ohne Worte!)

    Ich gebe zu, dass ich mich von der Arbeit des Anlasser Austauschs gedrückt habe, denn es sah nach viel schrauben aus:

    Tank runter (übrigens problemlos ohne Demontage der Verkleidungen. Tunnenverkleidung weg, Verkleidungen oben leicht seitlich raus ziehen…), Honda schreibt zum Anlasserausbau: Batteriefach ausbauen… wieder mal: Sch…

    Es ging auch anders: Befestigungen des Batteriefaches lösen, incl der hinteren, oberen Motorhalterung (lange M8 Schraube), Anlasser lösen und dann nach links raus ziehen indem das Batteriefach (bei warmen Temperaturen lässt es sich ordentlich biegen) mit einem Holz von der linken Seite nach oben biegen/duchbiegen…

    Der neue Anlasser zieht brachial durch, ein Traum 😊

    Mit dem neuen Anlasser habe ich dann auch gleich beide Batterien getestet: originale gegen die AliantYLP10. Die originale Eliiy zieht tatsächlich noch kräftiger durch als die Aliant, was natürlich nur was über den Startstrom aussagt und nicht über die Kapazität.

    Den alten Starter hab ich zerlegt und untersucht: sieht gut aus, Kohlen sind ok (haben auf 110“km 1,5mm ihrer Länge verloren), nichts ist verbrannt und riecht auch nicht danach. Auffällig sind die 4 Kupfer-„Kabel“ zu den Kohlen und das Pluskabel vom Anlasser zum Startrelais: beide weisen eine Verfärbung auf, welche auf entsprechende Hitze hindeuten (vermutlich durch die hohe Stromaufnahme, siehe Fotos).

    Probleme dieser Art mit müden Anlassern kenne ich aus dem PKW-Bereich durchaus.

    Hat jemand aus der Zweiradbranche schon diese Erfahrung gemacht? Was ist am Anlasser wirklich kaputt? Wicklungsschluss?

  • #2


    Hallo xaverl


    Ja, ich! Bilder zeigen den Anlasser meiner 2013 1190 ADV mit ca. 20000km Laufleistung. Liess sich extrem schwer starten am Schluss. Kaltstarts ab September waren immer Glücksache.

    Nach einem Tausch auf den 1290 war das Problem erledigt. Hab ich damals noch selbst bezahlt, danach wars ein Umtausch von KTM.


    Den Anlasser hab ich durchgemessen, Wicklungen waren in Ordnung. Ich habe das hintere Gleitlager des Rotors im Verdacht. Mangelschmierung, Verkantet, grosser Dreh-Widerstand - Batterie macht schlapp. Spann den zusammengebauten Anlasser mal an der Zahnung in den Schraubstock, Zieh mal am Gehäuse und dreh es gleichzeitig. Bei meinem war der Unterschied mit und ohne Zug enorm.

    Schmierung erschien mir als Sisyphusarbeit. Deshalb der Wechsel auf den grossen Anlasser der 1290er. Der hat aussenliegende Zuganker. Wurde aber nicht geöffnet auf den letzten problemlosen 75000km.


    Die Ähnlichkeit der Anlasser HONDA/KTM ist frappierend. Könntest du mal schauen was auf deinem steht?


    Gruss und allzeit gute Fahrt

    Daniel

  • #3

    Volltreffer: KTM, Honda, Suzuki, Kawa... verbauen den Mitsuba SM17.

    Das Gleitlager schließe ich aus (hab den Test grad gemacht). Auf das Gleitlager wirken minimale radiale Kräfte, sonst wäre dort auch ein Rollenlager...

    Kann man die Wicklungen wirklich durchmessen? Müsste das nicht auch unter Last erfolgen um zweifellos zu sein?

  • #4

    Der Anlasser wurde von einem Autoelektriker im Auftrag meines Händlers vermessen. Ob ich das Protokoll noch abrufen kann, bezweifle ich.

    Ich hab den präventiv getauscht, weils mir zu unsicher war und damit scheinbar einen Volltreffer gelandet.

    Der "grosse" Anlasser der 1290 habe, nach Aussage meines damals sehr an einer Lösung interessierten Händlers, zwei Wälzlager drin. Scheint also doch, dass da irgenwie ein Problem mit dem Gleitlager besteht. KTM Schweiz hat nach Zögern, sie haben am Anfang eine Unkompatibilität von 11- und 1290er ausgesprochen, alle schwer startenden (reklamierten) 1190 auf Kulanz mit dem 1290er Anlasser ausgerüstet. Einen offiziellen Rückruf gabs hierzu nie.


    Dass da keine radialen Käfte auf das Gleitlager wirken, oder besser gesagt wirken dürften, ist mir bewusst.

    Was der Freilauf und seine Bauteile und das Startmoment dem Rotor aufbürden müsste man wohl mal live betrachten.

    Meine Kati war im ersten Betriebsjahr - ich wollte als Ganzjahresfahrer eine Lösung.

    Und wie geschrieben, der dicke Anlasser mit aussenliegenden Zugankern, hat das Problem seit nunmehr 75tKm nicht mehr.


    Vermutlich wäre der "Kleine" nach Schmierung wieder 20000km gelaufen, die periodische Schmierung erschien mir aber als zu aufwändig. Bin gespannt ob sich das Problem bei meiner 1100 mit jetzt 6000km wiederholt. Hoffe nicht.


    PS. Die weissen Fettspuren auf dem Bild stammen noch aus unserem Drehversuch. Das Lager war staubtrocken. Mir ist bekannt, dass diese Sinterbüchsen im Regelfall ohne Schmierung laufen.

    2 Mal editiert, zuletzt von dhdani ()

  • #6

    Danke für deine ausfühliche Antwort. Das gäbe natürlich auch absolut Sinn, denn die Startleistung des Anlassers wurde kontinuierlich schlechter und war mega-schlecht beim Kaltstart bei tieferen Temperaturen.

    Bei meinem "neuen" Anlasser habe ich das Gleitlager auch vorsorglich leicht geschmiert. Das Gleitlager dürfte ein Permaglide-Lager sein: Teflonbeschichtetes Sinter-Lager... so schauts zumindest aus.

    Wenn der Anlasser bei 200"km wieder schwächelt, dann werde ich den Gleitlager-Nachschmiertest machen :-)

  • #7

    Guude,


    interessanter Bericht!


    Reden wir hier von einer SD04?


    Zumindest bei meiner SD04 war ich mit dem Verhalten des Anlassers noch nie so richtig zufrieden.

    Von Anfang an hatte ich das Gefühl, dass er sich -vor allem bei kaltem Motor- schwer tut.

    Selbst mit einer nagelneuen Batterie bzw mit einem Booster war da kein fröhliches "Hurra, wir drehen dann mal los" -

    eher ein müdes "muß ich tatsächlich den Motor zum Laufen bringen".

    Vielleicht sollte ich mir meinen Anlasser auch mal näher anschauen.......

  • #8

    Der Anlasser ist bei allen gleich. Meine ist eine SD06, 2018-DCT, "drive by wire".

    Wenn ich nun nur den Startknopf anschaue, so startet sie als würde der Anlasser den Motor zerreissen :-D.

    Es wäre ein Video interessant, vorher - nachher

  • #10

    Nachtrag: das Gleitlager im Anlasser ist ein Sinterlager 9x13x8. Es würde ein Nadellager HK0908 passen. Leider gibt es in der Größe keine RS-Version (mit Dichtung). Werde es einfach mal testen und den Anlasser ein Nadellager verpassen und das Lager mit entsprechendem Fett montieren. (ohne Dichtung im Lager besteht die Gefahr, dass das Fett auf die Kohlen kommen könnte...

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