Ich habe schlechte Laune, weil...
Meine Herzensdame, meine
„kleine Rote“ trägt keinen Lippenstift, sondern Kennzeichen –
und statt Parfum verströmt sie eine betörende Note aus Benzin und
Abenteuerlust.
Im Normalfall schnurrt sie wie ein Raubtier auf
Samtpfoten.
Doch unser Liebesglück wird
derzeit von einem tragischen Vorfall sabotiert: einem defekt
gelieferten Ersatzteil.
Ja, ein einziges, störrisches Stück Technik
verhindert unsere Zweisamkeit und zwingt uns in eine unfreiwillige
Beziehungspause.
Man könnte fast meinen, jemand sei eifersüchtig
auf unsere innige Verbindung.
Seit Wochen steht sie nun in
der Werkstatt. Wochen!
Andere planen in der Zeit eine Weltreise oder
lernen Italienisch – mein Motorrad wartet derweil auf die „baldige
Vollendung der Instandsetzungsarbeiten“.
Und heute steht er vor der Tür:
der Valentinstag.
Während andere geschniegelt mit Rosensträußen
posieren, hätte ich meinen Helm auf, Die Motorrad-Kombi an und
dieses verliebte Grinsen im Gesicht, wenn wir gemeinsam durch die
Kurven tanzen.
Statt romantischer Beziehungspflege auf dem Asphalt
bleibt mir nun nur noch eine äußerst unspektakuläre Liaison mit
der heimischen Wohnzimmeridylle.
Keine Ausfahrt. Keine Fotos
vom Sonnenuntergang im Rückspiegel. Keine innigen Momente an der
Tankstelle, wenn ich zärtlich über den Tank streiche und flüstere:
„Na, meine Schöne, noch eine Runde?“
Ich bin traurig. Und ich bin
mir sicher: Mein Motorrad steht ebenfalls sehnsüchtig in der
Werkstatt, blickt mit großen Scheinwerfern zur Tür und fragt sich:
„Warum holt er mich nicht endlich ab?“
Valentinstag ohne uns?
Tragisch. Shakespeare hätte es nicht dramatischer schreiben können.
Aber eines ist sicher: Wenn
sie endlich zurück ist, wird jede Ausfahrt wie ein verspäteter
Liebesbrief auf zwei Rädern. Und dann, meine Freunde, wird
nachgefeiert – mit Vollgas, Wind im Gesicht und einem Soundtrack
aus purem Glück
