Die Wettervorhersage sah viel versprechend aus, also beim arbeitenden Teil des Haushalt einen Tag Urlaub beantragt und einen Abstecher an den Bodensee geplant. Auf Kurviger eine Route von Augsburg nach Dornbirn und eine Rückfahrt von Hörbranz nach Hause geplant, extra eine eSIM für die Schweiz gebucht und insgesamt viel zu viel Zeug eingepackt.
Heute morgen dann um acht auf dem Bock, die Route gibt mir zunächst Rätsel auf. Anstatt mich über Mering und Königsbrunn zügig in den Südwesten zu führen, leitet mich das Navi quer durch die Stadt und wählt offenbar vor allem schnurgerade Straßen aus, die dann auch noch alle 100 Meter eine Ampel haben. So ist das Fahren gleichzeitig öde und man kommt dennoch nicht voran. Meine Laune bricht endgültig ein, als am Südrand von Augsburg Nebel einsetzt, der bis Buchloe anhalten wird. Dummerweise habe ich heute meinen Helm ohne Pinlock auf, aber bei der Waschküche wäre das auch schon egal gewesen.
Dann reißt der Nebel auf, und das Allgäu präsentiert sich wie aus einem Werbeprospekt:
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(Das hier ist eine Burgruine namens "Oberschloss", südlich von Sulzberg bei Kempten)
Weiter geht die wilde Fahrt, erst durch's Allgäu, dann durch Vorarlberg und endet schließlich in Dornbirn. Dort finde ich direkt am Marktplatz einen Asiaten, bei dem man gepflegt draußen sitzen kann und der eine leckere Mittagskarte hat:
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(Die Ente ist wirklich butterzart, die ganze Chose kostet mit Vorsuppe und Getränk unter 19 Euro, da kann man nicht meckern)
Von Dornbirn fahre ich nach Rorschach, meiner Frau beim Migros eine Anstaltspackung ihrer Lieblings-Schoggi besorgen. Und bemerke dabei, was ich bislang nach jedem Bodensee-Besuch wieder verdrängt habe: Zum Bodensee zu fahren ist toll, am Bodensee zu fahren ist ätzend. Der gesamte Verkehr konzentriert sich an der Uferstraße, die im Dauerstau versinkt, dazu kommt der Schweizer Verfolgungsdruck bei der Gescgwindigkeitskontrolle. Meinen ursprünglichen Plan, von Rorschach nach Romanshorn zu fahren und dort mit der Fähre nach Friedrichshafen überzusetzen, verwerfe ich im Stau vor einem Bahnübergang. Ich fahre zurück, nehme schnell ein Beweisfoto auf...
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... und staue mich zurück nach Bregenz. Von dort ist es nicht weit bis nach Hörbranz. Dort geht die Route los, die ich mit Kurviger gebaut habe. An der Grenze nach Bayern gerate ich in eine Zollkontrolle, aber die suchen wohl nicht nach illegaler Schokolade, sondern nach illegalen Einwanderern - ich werde durchgewunken.
Die Fahrt durchs Allgäu ist wieder schön, das Herbstlicht ist bezaubernd. Leuten, die es nachfahren wollen, kann ich die "Schwäbische Bäderstraße" empfehlen, sehr nett.
Bei Scheidegg mache ich Rast an einem Parkplatz und will ein Foto schießen, als dort zwei aufdringlich laute Harleys mit Stuttgarter Nummer aufschlagen. Immerhin, einer der Harley-Treiber schlägt mir vor, ein Foto von mir und meinem japanischen Präzisionskraftrad zu machen. Das ist nett, da sage ich nicht nein:
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Morgens um acht bin ich los, abends um acht bin ich wieder daheim in Augsburg. 450 km mehr stehen auf dem Tacho. Die Touratech-Bank und die neuen, tieferen SW-Motech-Rasten haben einen guten Job gemacht. Zwar hat mir am Ende doch etwas der Arsch weh getan, aber eben erst nach 450 km und nicht schon nach 200 km.