Mapfactor Navigator
Dies ist eine auf den ersten Blick vielversprechende App. Man hat die Wahl zwischen einer kostenlosen Version mit einer OSM-Karten und ohne Live-Verkehrsdaten, oder einer kostenpflichten Version mit TomTom-Karten und Live-Verkehrsdaten. Die Smartphone-App ist sehr mächtig, sie kann Favoriten, Routen und Tracks importieren. Man kan GPX-Dateien mit Routen laden, indem man sie im Android Finder öffnet. Die Android Auto-Steuerung dagegen ist maximal simpel gehalten. Man kann hier ausschließlich eine Route zu bereits eingespeicherten Favoriten starten, sonst nichts. Es wird zwar eine bereits geladene Route übernommen, wenn man sie zuvor in der Smartphone-App gestartet hat, aber weil die App auf dem Smartphone sich nicht bedienen lässt, wenn das Elebest verbunden ist, muss man dafür nicht nur das Smartphone rausfummeln, sondern auch noch das Elebest ausschalten. Damit ist die App für Android Auto in der Praxis leider nur umständlich zu benutzen. Echt schade, so knapp am Ziel vorbei.
Grafik Mapfactor Fullscreen
Die TomTom-Welt: Gleich drei Apps
Die TomTom GO App kostet 20eu im Jahr und ist erkennbar gut ausgereift und mächtig. Es gibt offline Karten. Tracks können über die TomTom Cloud importiert werden, und diese können dann auf dem Elebest abgefahren werden. Leider wird man nicht zum Start des Tracks navigiert, und Wegpunkte werden dann weder angezeigt noch angesagt.
Die GO Ride App von TomTom ist völlig anders und rein online bietet und bietet leider keine Unterstützung für Android Auto. Damit ist die App mit dem Elebest nicht zu verwenden. Sie könnte kurvige Strecken von A nach B planen. Ein Import von Tracks aus einer lokalen Datei auf dem Smartphone wäre möglich, aber ohne die Wegpunkte. Auch hier wird man nicht zum Start des Tracks geführt. Für mich wäre sie mangels Import von Wegpunkten ohnehin nicht zu gebrauchen.
Die AmiGO App von TomTom ist kostenlos, rein online und unterstützt Android Auto, aber Routen lassen sich weder über die TomTom-Cloud noch als Datei importieren. Es werden auch keine kurvigen Strecken geplant, und Verkehrsinformationen gibt's auch nicht. Da kann man auch Google Maps benutzen.
Weitere Android Apps mit Android Auto-Unterstützung im Kurzeindruck:
- MyRoute-app: Nur mit Abo unter Android Auto zu verwenden
- HERE WeGo: Lässt sich unter Android Auto verwenden, wenn sie zuvor am Smartphone gestartet wurde - dann aber nur noch unter Android Auto bedient werden. Routen können nur zu einem Ziel geplant werden. Es werden drei Varianten angezeigt.
- MAPS.ME: kann Dateien importieren
- Gaia GPS: Keine Bedienung am Smartphone möglich, wenn mit Elebest verbunden. Kann Wegpunkte aus Dateien importieren.
- BMW MOTORRAD connected: Die offizielle BMW-App importiert die Wegpunkte aus einer Route per Datei. Das hilft aber nichts, denn das Navigieren mit der App funktioniert nur, wenn sie mit einem BMW Display gekoppelt ist.
- Ebenfalls interessant: Waze, Mapy.cz
Zur Displaygröße:
Da Gerät ist so groß wie ein kleines Tablet, aber leider nutzen die Navi Apps den Platz nicht richtig aus. Besonders im Splitscreen-Modus hat man auf einem klassischen 4,3" Gerät eher mehr Nutzfläche.
Mich stört die Systemleiste am unteren Bildschirmrand. Ich hätte die lieber links oder rechts am Rand - aber leider lässt Google nicht zu, dies zu ändern. Das entscheidet das Handy, dafür kann der Bildschirm nichts. Wer rausfindet, wie man das umstellen kann, melde sich.
Elebest C750 mit Apple Carplay vom iPhone
Leider ist mein iPhone ein vernageltes Geschäftshandy, daher war kein Test möglich. Calimoto unterstützt bereits Apple Carplay, das dürfte aktuell der Königsweg sein, wenn man sich iPhone und die App leisten möchte. Calimoto Premium kostet aktuell runde 10 Euro die Woche, 60 Euro im Jahr, oder einmalig 250 Euro. Einige interessante Features, z.B. Regenradar, gibt's nur mit den Zeitpaketen, nicht mit der Einmalzahlung. Es gibt auch eine kostenlose Version, mit der man planen kann, aber nicht navigieren.
Fazit
Mit 209 Euro kostet das Elebest weniger als ein Motorradnavi und hat dabei das größere Display und die moderne Software. Die Hardware ist für den Preis richtig gut! Google hat in seinem App Store einige Beschränkungen für Android Auto Apps verpflichtend gemacht, dass die Bedienung am Displays nicht zu komplex sein darf. Das verhagelt anspruchsvollen Nutzern die Idee, das Smartphone wirklich in der Tasche lassen zu können, weil man für Routenplanung, Umweg über Tankstelle, Eintragung eine Umleitung usw. doch wieder am Handy fummeln muss. Das muss man akzeptieren, wenn man sich nicht das Handy ans Motorrad schrauben will. Dafür bekommt man mit dem Elebest einen richtig großen und hellen Bildschirm, der sich wirklich mit Handschuhen bedienen lässt, und hat wesentlich weniger Stress mit dem Handyakku.
Das Elebest C750 ist richtig groß! Leider habe ich an meinem Naked Bike eigentlich keinen Platz dafür, da ich einen Tankrucksack verwende, so dass es unterm Tacho verdeckt wäre, und überm Tacho wäre es fehl am Platz. An der Versys 650 hätte es Platz, wenn ich nicht gerade den flachen Scheibenhalter für den Sommer montiert hätte. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich mir ein kleineres Gerät im Hochformat wünschen - falls das in Carplay und Android Auto überhaupt vorgesehen ist.
Summa summarum würde ich nach jetzigem Stand das vorläufige Fazit ziehen, dass das Elebest mit kleinen Einschränkungen praxistauglich ist (40 Sekunden nach Motorstart warten). Bei den Apps war jetzt nichts dabei, was mich wirklich umgeworfen hat. Am ehesten noch OSMand, aber ich müsste noch gelegentlich das Smartphone direkt bedienen. Wer aktuell bereits OSMand verwendet, steigt wahrscheinlich am einfachsten um. Zum Preis zweier Handyhalterungen bekommt man hier ein Display mit Halterung, das Wasser und Hitze abkann.
Es ist hoffentlich nur eine Frage der Zeit, bis entweder Calimoto oder Kurviger ihre Apps für Android Auto ertüchtigen. Die haben schließlich auch Cabrio-Fahrer als Zielgruppe. TomTom könnte auch sehr gern die Motorradfunktionen in die GO!-App integrieren. Hätte ich bei der Kauf eines Motorrads die Wahl "mit oder ohne Smartphone-Bildschirm?", würde ich mich eher dafür entscheiden. Die Technik hat absolut Zukunft und erspart einige nervige Bastelei und Sorge um die Handyladebuchse, den Kamerastabilisator usw.
Hinweis: Die Firma Elebest hat mir das Gerät kostenlos zum Test zur Verfügung gestellt.