92'000 km mit der CRF 1000 L SD04 - Eine Abrechnung

  • #1

    Eigentlich wollte ich den Betrag bereits letzten Sommer schreiben, kam aber nie dazu.

    Nun soll es also soweit sein und zu Beginn gleich die erste Ergänzung: Eigentlich waren es genau 91'748 km bis ich die CRF 1000 L im Sommer 2025 verkaufte.


    Gekauft wurde das Motorrad neu im Mai 2016 und war seitdem durchgehend in meinem Eigentum. Sämtliche Wartungen wurden beim lokalen Hondahändler durchgeführt.


    Ich teile in drei Kategorien auf: 1. Positives / 2. Negatives / 3. Mängel


    1. Positives

    Sie ist und bleibt meiner Ansicht nach das hübscheste Adventure Bike (auch bis zu den aktuellem Modelljahren). Sie klingt gut ohne zu laut zu sein.

    Die Ergonomie ist hervorragend; ebenso der Sitzkomfort.

    Hondas Versuch, das Gewicht so weit wie möglich nach vorne und unten zu platzieren, kann man als sehr gelungen betrachten. Vorher fuhr ich eine XRV 750 Africa Twin, da merkt man diesen Effekt umso stärker, obwohl beide etwa gleich viel wiegen.


    Die Leistung ist absolut ausreichend. Ich hatte niemals den Bedarf nach mehr Nm oder PS.


    Die Aerodynamik passte ebenfalls gut. Besonders gegenüber der Vorgängerin bei hohen Geschwindigkeiten auf der Autobahn gestalteten sich die Fahrten leiser und angenehmer. Ich half da noch mit einem Forkshield nach, was die Luftwirbel aus dem Gabeltunnel, sowie auffliegende kleine Kieselsteine, besser abwehrt.


    Das originale Zubehör war zum Kaufzeitpunkt 05.2016 noch etwas rar, aber die Seitenkoffer taten ihren Dienst. In der Handhabung zwar mühsam, da die Schliessung immer etwas Fummelei benötigte. Mittlerweile verzichte ich vollständig auf Koffer/Hartgepäck, aber das hat andere Gründe.


    Der Verbrauch war hervorragend tief (zwischen 4.0 bis 4.5l/100km, was aber auch seine Schattenseiten haben sollte (dazu später).


    Kupplung und Getriebe (kein DTC) funktionierten prima und ohne Auffälligkeiten. Bis zum Schluss war noch immer die erste Kupplung verbaut.

    Die Bremsen taten ihre Arbeit ebenso unauffällig. Die Scheiben mussten nie gewechselt werden, was auch an meinem runden Fahrstil liegt.

    Heftige Bremsmanöver vermied ich aufgrund des tiefen Eintauchens der Gabel ohnehin.


    2. Negatives

    Wo fange ich an? Mmmh, nehmen wir den Gabeltunnel. Die alten Africa Twins und Transalps hatten eine Abdeckung unten! an der Gabel, damit die Luft und vor allem die kleinen, fiesen Kieselsteine gar nicht erst durch die Luft hochgewirbelt werden. Weshalb wird das heute nicht mehr gemacht? Es erscheint mir die bessere Lösung.


    Das Fahrwerk muss recht grosszügig von den Standardeinstellungen weggedreht werden. Die Vorspannung am Federbein ist deutlich zu wenig, ebenso darf die Druckstufe erhöht werden. So komfortabel die Fuhre auch fuhr, Gefühl für das Vorderrad bei Geschwindigkeiten ab 70km/h war schlicht nicht vorhanden.

    Das ist zwar ein prima Schutz gegen das "zu-schnell-Fahren", trübt aber die Freude an der flotteren Art doch ziemlich.

    Bei langsamen Tempi und engen Kurven war die AT dagegen fabulös.

    Besonders nervte aber das Gabelhoppeln zwischen 50 bis 70km/h. Mit neuen Reifen weniger, aber es war ständig präsent. Und nein, es liegt nicht an den Reifen!

    Ich hatte mittlerweile drei Motorräder mit 21 Zoll Vorderrad (und teilweise denselben Reifen). Gehoppelt hat nur die SD04.


    An was dies schlussendlich lag? Puuh, da bin ich überfragt. Vielleicht die Kombination weiches Fahrwerk, wenig Rückmeldung, schwammige Lagerung, etc.


    Ebenfalls grauslig war die Gasannahme. Ja, man gewöhnt sich dran, aber gerade für ein Reisemotorrad ist eine harte Gasannahme völlig unnötig und eher hinderlich.

    In dieselbe Kerbe (und hier platzte mir am Schluss einfach der Kragen) schlägt das Konstantfahrruckeln, welches über die vielen Kilometer sogar zu und nicht abnahm.

    50km/h durch eine Ortschaft zu gondeln kommt nun mal relativ häufig vor in Mitteleuropa und dieses Geruckel ging mir irgendwann sowas von auf den Zeiger.

    Wenn ich beim Runterschalten mit Zwischengas arbeitete, verschluckte sich der Motor sogar manchmal, so das der Gasstoss ganz ausblieb. Dabei kann der Motor auch ausgehen.

    Meine Meinung: Die Dinger laufen einfach zu mager. Ich hoffe, dass in den Folgejahren hier deutlich nachgebessert wurde. Ich machte den "Fehler", mir wieder Vergasermopeds zuzulegen (ebenfalls Honda). So müssen Motorräder abgestimmt sein! So muss eine Gasannahme sein!

    Wobei ich auch schon gut abgestimmte Einspritzer gefahren bin (mit grossem V2).


    Wartungskosten:

    Jaa, der Ventilspielservice, der böse...

    Bei der ersten Rechnung erschrak ich ziemlich, als ich die Stunden anschaute. Nachdem ich mir das Innenleben der SD04 dann selbst mal zu Gemüte führte, wurde mir klar, weshalb dies ein so grosser Zeitaufwand bedeutete. Mein Mitleid an die Mechaniker an dieser Stelle.


    Wie wäre es mit einem simpleren Aufbau, Honda? Was da alles weggezerrt werden muss, um das Ventilspiel zu messen, ist schon übel.


    Kettenspiel:

    Wehe, das Kettenspiel stimmt nicht! Dann ist die Geschichte mit der harten Gasannehme und Konstantfahrruckeln noch schlimmer.

    Und wenn man einstellt, dann nur höchstens 1/8 Umdrehung, sonst ist sie gleich wieder zu stramm. Was ich hier rumgeschraubt habe, welche Zeit da flöten ging...

    Die alten XRV hatten simple Exzenter, präzise, einfach, schnell, idiotensicher. Wurde hier falsch gespart?


    Immerhin hielten die Kettenkits so ca. 35'000km. Bremsbeläge tauschte ich zweimal vorne und hinten.


    3. Mängel

    Der Lack am Tank war bei den ersten CRF 1000 nicht sehr toll. Bereits das Verwenden eines Tankrucksacks hinterliess Spuren. Auch die aufgewirbelten Kiesel hinterliessen fiese Kratzspuren.


    Die Vorspannungseinstellung am Federbein wurde sehr schnell streng und musste getauscht werden. Ebenso der Set-Knopf an der linken Armatur.

    Das Radlager hinten verabschiedete sich ab ca. 66'000 km.

    Der Starterknopf hatte mal einen nicht mehr so tollen Kontakt. Mein Mechaniker konnte das aber beheben, ohne zu ersetzen.


    Die Batterie wurde zur Sicherheit mal nach 8 Jahren ersetzt, war aber nicht zwingend notwendig. Der platte Reifen bei 50'000km ging nicht auf das Konto der AT.


    Schluss:

    Weshalb ich sie verkaufte? Ich ging auf Enduro-Tour und da ist eine alte Transalp mit über 30 Kg Gewichtsvorteil nun mal viel besser geeignet als eine CRF 1000.

    Da hoppelt auch die Gabel nicht...


    Und das KFR raubte mir den letzten Nerv. Selbst alte CBR-Sportmotorräder können es besser. Und brandaktuelle Fireblades sind auch besser! Es ist also keine Leistungsfrage.


    Huch, der Text ist doch länger geworden. Falls es jemandem dient, so darf er gerne meine Erfahrungen mitnehmen. :wboy:

  • #2

    Guten Morgen Tobias,


    das liest sich ein wenig wie "Abgesang". Mit den von dir beschriebenen Mängeln und Ärgernissen hätte ich sie ganz sicher schon viel früher abgegeben. Das wundert mich ehrlich gesagt doch ein wenig.


    Ich bin heil froh, dass ich mit meiner SD06 Bj. 2018 nicht eines deiner Problemchen bestätigen kann. Die außergewöhnliche Freude, die mir das Mopped jeden Tag macht ist, hält bis heute unvermindert an.


    Ich wünsche dir viel Freude mit der TA.


    lg

    hoffi69

    Honnerd Brozend Sejerlänner:happy-partydance:

    6 Forumstreffen 2019-2024 :romance-grouphug:


    Eat, Ride, Sleep. Repeat :handgestures-thumbupright:

  • #4

    Bei mir, gleiches Modell, kein Konstantfahrruckeln, keine harte Gasannahme, kein Hoppeln und vorausgesetzt sauber eingestellt. auch sehr gutes Fahrwerk...

  • #5

    Hallo zusammen.


    Das Konstantfahrruckeln wurde auch erst im Laufe der Kilometer mehr. Oft verstand ich nicht, worüber sich andere AT-Fahrer beklagten, bis es dann bei mir begann aufzutreten und immer schlimmer wurde.

    Wie erwähnt, hatten meine Anschaffungen von altern Vergasermotorrädern meine Sinne diesbezüglich sicher noch mehr geschärft.


    Auch der direkte Vergleich von alter Transalp, mit wirklich simplem Fahrwerk, und neuer AT lies mich das Hoppeln stärker wahrnehmen.

    Klar, unter dem Strich ist das Fahrwerk einer neuen AT objektiv besser. Aber das Schwammige der CRF 1000 tritt bei der Transalp und den alten XRV nicht auf.

  • #6

    Nicht zu glauben!

    Ich fahre "nur" das original Fahrwerk und das immer mit Sozia und als "Blümchenpflücker" bin ich nicht bekannt.


    Da gibt es nichts "Schwammiges".


    lg

    hoffi69

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  • #7

    Das einzige was mich an der CRF ständig stört ist das völlig unnötig viel

    zu hoch stehende Heck. Ein Design-Desaster erster Güte und sorgt hinten für hohen Schwerpunkt bei Beladung und man kann nichts dagegen machen...

  • #8

    Bei mir: SD04 EZ 4/2016 mit DCT, aktuell 51.000 km

    Beim Thema Gabeltunnel bin ich bei dir. Das hat Honda früher (XL600V, XRV750) besser gelöst.

    KFR nicht vorhanden - mag auch am DCT liegen. Auch der Gaseinsatz bzw. die Gasannahme ist eher weich, aber sicher nicht hart.


    Gabelhoppeln nur wenn sich der Reifen dem gesetzlichen Mindestprofil nähert. Bei neune reifen gar nicht. Hat aber auch viel mit Beladung zu tun. Mit "viel Gewicht" hinten, wirds stärker. Zumeist fahr ich aber nur mit einem 20l-TC.
    Widersprechen möchte ich aber, dass das frühere Hondas besser konnten. Ich habe parallel zwei XL600V PD10. Bei beiden habe ich vorne und hinten das Fahrwerk einer XRV750 RD04 eingebaut. Die hoppeln auch. Ebenso hoppelt auch meine KTM990ADV und meiner Suzuki DRZ400S. EInzig bei meiner GasGas ES700 ist mir das noch nicht aufgefallen.

    Fahrwerk CRF1000: Also ich hab recht zeitnah nach Besitzübernahme das +20mm-Federpaket von Hyperpro einbauen lassen. Dazu dann die Dämpfung im mögl. Ausmaß adaptieren lassen. Bei mir ist nix schwammig. Das läuft, und lässt sich präzise fahren.

    Lenkerarmaturen: Wenn ich mich recht erinnere wurden beide im Rahmen einer Rückruf-/Garantieaktion getauscht. Seitdem funktionieren die.

    Lack Tank: Zeig mir den Tank bzw. jene Lackierung, die bei Verwendung eines direkt aufliegenden TRS nicht leichte Kratzer bzw. SChleifspuren zeigt. Das liegt mE in der Natur der Sache. Dafür wurden von der After Market Industrie diese, am Tankring zu befestigenden TRS entwickelt.
    Vorher gabs bei Louis/Polo/HG aufklebbare Tankschutzfolien. Wenn man keines von beiden macht bzw. verwendet, dann darf man sich über die schmiergelnde WIrkung von kleinen Partikeln nicht wundern.

    Kettenspannung: Der Exenter hat Vor- u. Nachteile!
    Vorteil, man tut sich recht einfach beim Nachspannen.
    Nachteil: Man muss die Kette ausreichend lange sich längen lassen um dann eine Rast weiter zu spannen. Ist die Kette noch nicht lange genug, gehörte aber schon nachgespannt, dann wird sie mit einer Rast am Exzenter zu viel gespannt.
    Rückblickend muss man sagen, dass der Exzenter das Spiel verloren hat, weil er offensichtlich gänzlich verschwunden ist. Sebst bei den alten 600er Transalps stellst du die Kettenspannung schon über ein Gewinde ein.

    Deine Eindrücke/Aussagen sind natürlich für dich gesehen wahr und ausschlaggebend. Objektiv betrachtet, halten sie in den meisten Fällen aber wohl einer Kritik nicht stand.
    jm2c

  • #9

    Zitierte Aussage ist fast identisch mit meiner Situation. Unterschied: Meine ist ein paar Wochen älter, hat ca. 1000 Kilometer weniger und hat DCT.


    Die positiven Punkte kann ich so bestätigen.


    Die negativen nur bedingt:

    die Probleme mit dem Killschalter wurden entsprechend der hier im Forum beschriebenen Wartungsanleitung behoben.

    Gehoppelt hat meine nur, als der TKC 70 vorne Sägezahn gebildet hatte. Mit Pirelli Skorpion Trail und die letzten Jahre dem CTA3 keine Fahrwerksprobleme. Oder mein Popometer ist zu unsensibel.

    Die Batterien hielten allerdings nur etwa 4 Jahre. Ist also schon die 3. drin.

    Dass die -damals Nicht-Edelstahl- Speichen gammelig wurden, war zwar ärgerlich, aber irgendwann hat man das halt akzeptiert.

    Als aktuell einziges Problem zickt gelegentlich das Zündschloss und gibt nicht gleich den Kontakt frei. Muss ich beobachten.


    Aber sonst sehe ich keinen Grund, meine SD04 gegen eine neuere (für mich bessere?) Africa Twin zu tauschen. :atrot:

    ne Rote 16er mit DCT ; 8 Forumstreffen 2018-2025


    Carpe Diem :at4:

  • #10

    Bei mir wurde 2019, auf Kulanz unter Mitwirkung des damaligen CEO Honda Österreich, die sog Zündschlossplatte getauscht.
    Symptome waren bei mir z.B. dass ich bei Schlüssel auf "Zündung On" zwar das Motorrad starten konnte aber wechselweise (od. gemeinsam) entweder kein Licht leuchtete, der LED-Scheinwerfer als dunkel blieb oder/und das Display keinen Strom hatte.
    Natürlich hab ich als erstes die Sicherungen gecheckt, aber da war alles i.O.
    Hab dann den Roland Berger angemailt, dessen Mailadresse ich damals hatte, und der hat die Tauschaktion damals angeleiert.
    Das war aber dann kein kleiner AUfwand. In der Werkstatt erzählte man mir etwas von 4 od. Mehr Arbeitsstunden, weil dazu vorne so gut wie alles abgebaut werden muss.
    Das Schloss selbst wurde nicht getauscht, sondern nur eine elektronische SChalteinheit.

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