
Ich habe mir heute auch mal das derzeit interessanteste Mopped im BMW-Stall angesehen, die R 12 G/S.

Das Schlicht-Display ist der komplette Gegenentwurf zur Kommandozentrale der 1100er AT, aber es hat mehr drauf als man meint: Unten kann man eine Info-Zeile einblenden, und da ist das Angebot reichhaltig: Bordcomputer, Reifendruck, Ölstand, Drehzahlmesser, Zeit, Temperatur etc. - eben immer nur eins zur Zeit.
Auch sonst ist die R12 G/S recht gut ausgestattet: Keyless Go, Quickshifter/Blipper, schlauchlose Speichenräder, diverse Fahrmodi. Was die AT hat und die G/S nicht: Eine Startautomatik. Bei der G/S muss man den Starterknopf so lange drücken, bis der Motor tatsächlich anspringt. Was die G/S auch nicht hat, ist integrierte Smartphone-Connectivity. Eigentlich schade, denn ich denke, ein Garmin-Navi, ein Cigee-Display oder ein Smartphone am Lenker würde die Linie des Cockpits versauen. Hätte ich eine G/S, würde ich vermutlich versuchen, mit einem kreisrunden Beeline-Mini-Navi klarzukommen. Meine Testmaschine hatte noch ein SOS-Notrufpaket an Bord, weiß nicht ob das Serie ist.
Riesen-Vorteil des minimalistischen Cockpits: Man hat kaum Motorrad vor sich, was die Sicht verbessert und die Windgeräusche reduziert. Diese Perspektive verstärkt auch den Eindruck, die G/S führe sich leicht wie ein Fahrrad. Dabei ist die G/S wohl etwas kleiner als eine AT, aber nicht dramatisch leichter: Laut technischen Daten wiegt eine G/S 229 kg, eine SD13 mit manuellem Getriebe kommt auf 231 kg.
Im direkten Vergleich zu meiner AT ist die G/S deutlich ruppiger und unkultivierter. Einen guten Anteil daran haben die Stollenreifen auf meiner Testmaschine. Darauf rollt die G/S ab, als würde sie auf Waschbeton fahren. Die Reifen heulen wie ein Unimog. Die Federung ist deutlich straffer als bei der AT, was nicht nur Nachteile hat. So sinkt die Telegabel nicht so stark ein. Aber vom sänftenartigen Komfort, den man den großen Boxern mit Telelever nachsagt, ist die G/S ein gutes Stück entfernt.
Vom Motor weiß ich unter dem Strich nicht genau, was ich halten soll. Dinge wie die deutlich spürbaren Vibrationen im Stand oder die Lastwechselreaktionen um die Längsachse verbuche ich mal unter Entertainment, aber den Klang finde ich weder besonders aufregend noch typisch BMW Boxer. Die G/S wirkt eher lauter als die AT als leiser, was aber auch damit zu tun haben kann, dass die Mini-Cockpitverkleidung sehr wenige Windgeräusche erzeugt. Windschutz bietet sie auch nicht. Mit einer G/S 150 fahren ist anstrengender als mit einer AT. An Leistung besteht objektiv kein Mangel, ich fand die G/S jedoch insgesamt einen Hauch zu lang übersetzt. Das Getriebe ist so naja, manchmal verlangt das Einlegen des ersten Ganges nach einem entschlossenen Tritt. Bei mir litt das Schaltgefühl unter einem Schalthebel, der mir nicht passte. Den hätte man einstellen müssen. Auch der Fußbremshebel war nicht optimal, dafür hat die G/S eine tolle Bremsanlage, vor allem hinten.
Ich habe die G/S einmal um meine Hausrunde gescheucht, und es hat großen Spaß gemacht. Um sie für mich passend zu kriegen, müsste ich noch Hand anlegen: Höhere Sitzbank, breitere Spiegel.Insgesamt würde mir die Enduro-Version vermutlich besser taugen, da sie insgesamt höher ist.
Allerdings hat die AT etwas, was der G/D etwas fehlt: Den Anspruch, ein Motorrad für alles zu sein. Als alleiniges Motorrad wäre mir die G/S zu wenig, als Zweitmotorrad zu teuer.

Aber gefallen tut sie mir schon sehr.