Beiträge von Sampleman

    Typischer Fall von "Selbst zum TÜV gefahren anstatt das den Händler machen lassen."


    Aber die Geschichte ist wirklich abenteuerlich.

    Wie gesagt, ich habe ja eine lange Zeit der Verzweiflung an den mangelnden kognitiven Fähigkeiten und der nicht vorhandenen Aufmerksamkeitsspanne der verehrten Leserschaft hinter mir - jetzt bin ich in Rente.


    Aber hast du nicht gemerkt, dass der Test mehrere Teile hatte?


    Im Grunde kann das ganze, sehr aufwändig gemachte Ding nicht mehr sein als eine Kaufberatung, in die die Redaktionen einfach alle Kräder reingepackt haben, die sie kriegen konnten. Und dazu kommt ja, dass man sich bei diesen ganzen Tests fragen soll, wem sie genau weiterhelfen sollen. "Motorrad" testet im Jahr bestimmt an die 100 Motorräder. Wie viele Motorräder kaufst du dir im Jahr? Geht es also darum, dir eine Entscheidungshilfe für einen anstehenden Kauf zu geben? Oder geht es nur um Futter für den Stammtisch?


    Dazu kommt, dass jeder Kunde andere Prioritäten hat. Natürlich ist es bis zu einem gewissen Grad unfair, ein Motorrad für 25.000 Euro mit einem für 15.000 Euro zu vergleichen, aber idealerweise zeigt ein solcher Vergleich, welche Nachteile gegenüber dem teureren Motorrad man in Kauf nehmen muss, wenn man das billigere nimmt. Besonders spannend fand ich deshalb die große Zahl der "Chinakracher", die vorgestellt wurden. Ich bin kein in der Wolle gefärbter Hondafahrer, ich hab' mit der Marke keinen Vertrag. Meine AT hat mit Koffern und Chichi 17 K gekostet. Wenn eine CFMoto mit voller Hütte und etwa genauso viel PS nur noch 12K kostet, dann wüsste ich schon gern, worauf ich verzichten muss, wenn ich mir die fünf Riesen spare. In dieser Beziehung fand ich den Test gar nicht so übel.


    Wäre ich ein verantwortlicher Redakteur für einen solchen Test und würde realisieren, dass ein Großteil meiner Leserschaft sich ausschließlich dafür interessiert, ob ein Produkt ihrer Lieblingsmarke auf Platz 1 gekommen ist, dann würde ich glaube ich ausgiebig dem Alkohol zusprechen und Götz von Berlichingen zitieren.


    Es gibt zwei Vorwürfe, die regelmäßig kommen: Wenn in einem Bericht nicht die Marke gewinnt, die man persönlich favorisiert, dann wurde der Redakteur geschmiert. Oder der positiv bewertete Hersteller hat sich seine gute Platzierung durch Werbeanzeigen erkauft.


    Da denke ich mir manchmal, ob die Maulhelden, die sowas einfach so im Netz raushauen, sich das auch live trauen würden, wenn der verantwortliche Redakteur für den Beitrag mit am Tisch sitzt.


    Was den Vorwurf der Bestechung angeht: ich bin in meiner Karriere niemals bestochen worden. Sonst sähe mein Kontostand anders aus, glaubt es mir. Und was den Vorwurf der Werbeschaltungen angeht, kann man den leicht entkräften, indem man einfach mal nachzählt. Wenn es danach ginge, müssten Lous und FC Moto jeden Vergleichstest gewinnen, denn die gehören zu den wichtigsten Anzeigenkunden.


    Was allerdings eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt, das ist eine schlagkräftige Presseabteilung. Mir hat das mal ein Kollege am Beispiel eines Reifentests erklärt: "Du willst einen Reifentest mit Supersportler-Reifen machen und brauchst jemanden, der dir möglichst schnell für zwei Wochen drei identische Moppeds hinstellt. Dann rufst du in München an, und die fragen nur: 'Welche Farbe?'. Das kannst du ja mal bei Aprilia versuchen." Das Ergebnis: Ein Reifentest über sechs Seiten wird auf BMW gefahren, nicht auf Aprilia.


    Ich hatte ja noch nie mit der Presseabteilung von Honda in Deutschland zu tun, aber die scheinen nur eine ATAS mit allen Extras in Tricolore im Presse-Pool zu haben. Und wenn eine Redaktion nach einer Africa Twin verlangt, dann kriegen sie halt den Fulldresser. Das passt aber nicht immer. Und ich habe hier auch schon ein paarmal angemerkt, dass ich ein genaueres Eingehen auf meine Wünsche als deutscher Kunde wünschen würde. Gern kam dann der Kommentar, dass Deutschland als Markt für Honda ja gänzlich unwichtig sei. Je nun, wenn das so ist, dann muss sich Honda nicht wundern, wenn sie in deutschen Vergleichstests gegen Wettbewerber verkacken, die auf die Bedürfnisse deutscher Kunden besser eingehen.

    Ich, der sein Leben lang sein Geld im Fach- und Special-Interest-Journalismus verdient hat, bin froh, dass ich nicht mehr für ein Publikum schreiben muss, das eigentlich nicht informiert werden, sondern nur seine Meinung bestätigt haben will. Und noch geiler finde ich es, wenn sich Leute über ein Medium äußern und sich im selben Atemzug damit brüsten, es schon lange nicht mehr bzw. noch nie gelesen zu haben. Übrigens: BMW gewinnt bei "Motorrad" längst nicht jeden Vergleichstest, aber dass Honda mal einen gewinnt, das ist selten geworden. Bei der AT mag das noch mit ihrer etwas unglücklichen Marktpositionierung zusammenhängen - zu schwach für die "Großen", zu teuer für die "Kleinen" - bei den anderen Modellen vermute ich, dass die anderen im Schnitt einfach besser sind.

    Ich sehe das tiefenentspannt. Siehe dazu den Thread, den ich nach dem 1. Teil verfasst hatte:

    Honda Deutschland hört auf mich - geht doch!


    Auch im zweiten Teil wurde die AT über den grünen Klee gelobt:


    >> ... und dann [wenn man die AT in Basiskonfiguration nimmt] fällt besonders auf, wie harmonisch die Africa Twin sich zu bewegen versteht. Top Massenzentralisierung, smart gezeichnete Ergonomie und das mit hoher Wahrscheinlichkeit feinste Fahrwerk beim ganzen Master Test Adventure schaffen ein himmlisch komfortables Schotter-Fahrgefühl, Marke "Magic Carpet Ride". <<


    Die elektronischen Fahrhilfen werden als "nicht mehr ganz so sensationell wie jene der Europäer" bezeichnet, der Autor rät dazu, diese im Gelände zu deaktivieren - was nach meinem Eindruck die meisten Forumsmitglieder ohnehin tun, und "dann nervt die vermurkste Bedienung auch nicht" - in meinen Augen eine völlig berechtigte Kritik an der vermurksten Bedienung der AT.


    Mit anderen Worten: Was hast du erwartet? Der Letzte Satz der Kurzcharakteristik beschreibt perfekt das Dilemma, in der sich die AT bewegt:


    >> Unter den "Dicken" die Leichteste, unter den "Midsize" die hochwertigste: Die Basis der CRF 1100 L sortiert sich geschickt zwischen den Welten ein <<


    Genau so sehe ich das auch: Gegenüber einer BMW R1300GS, einer Multistrada V4S oder einer KTM 1390 Super Adventure ist die AT schlicht untermotorisiert, das ist als wenn du einen Toyota RAV4 mit einem Porsche Cayenne vergleichst. Und gegenüber einer BMW F900 GS (Basispreis 13.750 Euro) oder einer Voge DS 800 X (9.000 Euro) ist sie reichlich teuer. Sie sitzt halt genau in der Mitte zwischen zwei Klassen, Und damit gewinnst du keine Vergleichstests.


    Was ich persönlich interessant fand, das war das sehr wechselhafte Abschneiden der ganzen Chinakracher. Vor allem die Voge DS 900 X, die ich von den Specs her noch dichter an der AT sehe, schein insgesamt ein ziemlich mittelmäßiges Mopped zu sein.

    Ab Werk hatte die 2021er AT allerdings keinen, deshalb den Straps über dem Soziusbrötchen, damit sich die Sozia panisch an irgendwas festkrallen kann:

    honda_crf1100l_africa-twin_2021_03.jpg


    Sicherlich gab es deinen Gepäckträger damals bereits als Original-Zubehör zum Dazubestellen.

    Bei meiner 2022er AT war der Träger dann Serie, dafür gab es keinen Straps mehr.

    Wenn noch mal jemand sich über die Ersatzteilpreise von Honda beschwert:

    Ich habe mir heute für 58 Euro und 2 Cent ein Scheibenwischerblatt für meinen 2016er Toyota Yaris gekauft. Immerhin, für das Geld hat es der Toyota-Servicemensch vor meinen Augen ans Auto angesteckt.


    (Bevor Nachfragen kommen: ich hatte schon mal eins von einem OEM, aber das hat nicht gepasst)

    Was natürlich der Haken ist: Bezüglich Konformität haftet der Inverkehrbringer, lies: Der Importeur. Wenn man Sachen direkt bei Temu bestellt, ist man natürlich gekniffen, aber zum Beispiel CF Moto wird von einer Firma Hans Leeb in Österreich importiert. Die sind dafür verantwortlich, dass Cf-Moto-Moppeds, die in Deutschland verkauft werden, allen gängigen Bestimmungen genügen. Und ich nehme an, dass die Rechtsabteilungen der Konkurrenz da sehr genau drauf achten werden.

    Was allenfalls sein könnte (weiß ich nicht), dass sich die Kofferträger zwischen AT und ATAS unterscheiden. Da allerdings auch die Sitze austauschbar sind, glaube ich das fast nicht.

    Der Hinweis auf "manipulierte CE-Kennzeichnung" kam hier mehrfach und ist Unsinn. Das CE-Kennzeichen ist eine Konformitätserklärung, die besagt, dass ein Produkt alle relevanten Vorgaben der EU erfüllt. Das CE-Zeichen ist also nicht Ergebnis einer unabhängigen Prüfung von TÜV etc. oder gar einer staatlichen Kontrolle durch eine Bundesbehörde. Nein, es ist eine einseitige Erklärung des Herstellers. Auch wenn Bombardier aus Kanada Produkte in der EU verkaufen will, müssen die alle relevanten EU-Bestimmungen erfüllen. Das muss der Hersteller garantieren, und als pauschalen Hinweis darauf, dass er das garantiert, druckt er das CE-Zeichen aufs Gehäuse.


    Wofür PRC steht, hat man dir ja bereits erklärt. Wenn jemand die Herkunft seiner Produkte verschleiern will, dann ist es eher Apple. Die haben früher "Designed in California" auf ihre Schachteln geschrieben - zusammengebraten wurde der Kram dann bei Foxconn in Shenzen.


    Gab es immer schon auch in Europa. Leica hat auf seine sündhaft teuren M-Messsucherkameras "Made in West Germany" draufgeschrieben, als das "West" noch einen Unterschied gemacht hat. Tatsächlich wurden viele Teile für die Leica M in Westdeutschland hergestellt (vermutlich die meisten). Dann wurde das Zeug nach Portugal gekarrt und dort von glücklichen Portugiesen zu fertigen Kameras zusammengebaut. Die kamen dann zurück nach Deutschland und wurden hier nich einmal final kontolliert - und dann ab in den Versand. Das kann man beliebig fortsetzen. Die Herkunftsbezeichnung bezieht sich auf das Land, in dem mehr als 50% der Wertschöpfung stattfinden. Und das kann bei einem T-Shirt, das ein italienisches Luxus-Label für ein paar Cent in Bangladesch nähen lässt, durchaus bedeuten, dass allein das Einnähen diverser Labels und Wäscheschilder in Italien bereits die Bezeichnung "Made in Italy" rechtfertigt. Zumindest war das früher so, ich weiß nicht, ob sich da was geändert hat.


    Wenn für mich das Herstellungsland eines Produktes wichtig ist, dann habe ich inzwischen kein Problem mehr, mir einen MG 3 anzusehen, der kostet ab 17,5k aufwärts und ist made in China. Eher habe ich Probleme, 24 k für einen VW Taigo zu bezahlen, der aus Brasilien kommt oder mindestens 48 Riesen für eine Mercedes C-Klasse aus Ungarn oder Südafrika.