Langlebigkeit RADLAGER

  • #41

    Alex80.2 vielen Dank für den Tipp mit dem Innenring und der Distanzhülse. Im Werkstatthandbuch wird auf diesen Umstand nicht extra hingewiesen, da man ja laut WHB das Honda Werkzeug benutzt, bei dem das Lager automatisch am Innen- und Außenring gepresst wird. Ich nehme an, dass das gerade das Missverständnis ist. Für mich war der Tipp auf alle Fälle sehr wertvoll. Ich werde mir einen Satz mit Lagereintreibern kaufen, wo es Scheiben für alle möglichen Lagergrößen gibt. Diese Scheiben sind einfach immer massiv, sodass automatisch am innen- und Außenring gepresst wird (sofern nicht die Lager Innen und außen unterschiedlich breit sind, aber das wäre höchst untypisch).


    Ich habe noch ein paar Fragen zu den Ersatzteilen:

    Ich sammel mir die Sachen gerade zusammen. Ich bin mal wieder schockiert, dass ich in Japan mit dem Standard-Versand bei ca. 87€ (zzgl. Steuer und Zoll dann etwa 110€; mit dem langsamen Seefracht-Versand etwas unter 100€ gesamt) lande, während die selben Teile bei bike-parts-honda 230,37€ plus Versand kosten würden. Deutsche Honda-Ersatzteilpreise sind echt absurd.

    Aber meine Fragen dazu:

    In diesem Beitrag hier wurden ja die folgenden Lager- und Dichtringdimensionen genannt

    Vorderrad:

    2 Stk. 6004-2RS


    Hinterrad:

    2 Stk. 6204-2RS

    1 Stk. 63/22-2RS


    Und dann wären noch die Staubschutz-Simmeringe:

    Vorne: 2 Stk. 28x42x8

    Hinten: 1 Stk. 30x56x7,5 + 1 Stk. 30x47x7,5


    die Lager sind soweit klar. 2RS wegen beidseitig abgedichtet und die Typen stehen ja dabei. Warum das 63/22 so viel teurer ist, als die anderen beiden, verstehe ich nicht, aber ist halt so.

    Meine Frage ist hauptsächlich zu den Dichtringen. Die exakte Breite 7,5 gibt es scheinbar nur direkt bei Honda. Im freien Handel gibt es vor allem die Breiten 7, 8 und 10mm. 8 und 10 werden ein wenig zu breit und sind daher keine Option. Dicke 7 wäre da die bessere Variante. Aber: welcher Dichtring genau? Und wie rum eingebaut? Oder sollte man lieber direkt Honda nehmen?

    Im Schnittbild im WHB sieht es nämlich so aus, als ob die Honda-Dichtringe anders, als normale WeDi nicht 1 Öl- und 1 Staublippe haben, sondern 2 Staublippen, was natürlich mehr Sinn ergeben würde.


    Bei einem normalen WeDi würde ich nämlich schon überlegen, wie rum der eigentlich soll. Normale Anwendung z.B. als Gabelsimmerring ist ja, dass nach "innen" das Öl drinnen behalten und nach "außen" der Staub abgestreift werden soll. Bei einem normalen WeDi würde ich ja eher überlegen, dass die Flüssigkeits-Dichtseite nach außen kommt, da der Wedi ja dann das Wasser am eindringen hindern soll. Dann bräuchte man aber einen mit spezieller Feder, die Rostbeständig ist.

    Gibt es auch reine Staubdichtringe auf dem freien Markt? Wie wäre da der Suchbegriff? Ich habe bisher nur Wellendichtringe gefunden, die wie gesagt eine Flüssigkeitsdichtlippe haben.

    Ansonsten läuft es wohl auf die original-Ersatzteile aus Japan hinaus

  • #44

    Mit Nüssen.

    Das Einpressen ging gerade so, sie haben sich aber danach verfärbt. Links blau, rechts grün...


    Also Jungs, immer nach WHB arbeiten und ihre Nüsse werden Euch dankbar sein😁

    Einmal editiert, zuletzt von Alex80.2 ()

  • #45

    M.M.n müssen die genormten Verschleißteile nicht unbedingt direkt vom Hersteller sein.

    Hier ist meine Rechnung vom 123Kugellager aus 2020 für die Teile, die im Hinterrad seit 70000km tadellos funktionieren.



    Die Dichtringe sind normal also mit der geschlossen Seite nach außen montiert.


    Einziges was ich nicht nach WHB mache (Asche auf mein Haupt): Ich fülle den ganzen Hohlraum zwischen dem Lager und dem Dichtring mit wasser/salzwasserfestem Langzeitfett auf.

  • #46

    So, ich hab bestellt. 123kugellager, 71,14€ für Lager und Dichtungen für beide Räder. Es gab mehrere Shops, die auf dem Weg waren, günstiger zu sein (z.B. agrolager), dann aber jeweils 1 item nicht im Sortiment hatten. Bei Agrolager fehlt der 30x57x7 Dichtring (mit Staublippe hätte es den nur in 10mm Breite gegeben), bei mehreren anderen gab es das 63/22 Kugellager nicht. Ärgerlich. Bei Agrolager hätte die ganze Bestellung bis auf den einen Dichtring nur 50,81€ inklusive Versand gekostet. Wenn sie den Ring im Sortiment hätten also vermutlich nur ~55€

    Dazu kommen dann noch etwa 200€ Werkzeug. 80€ für einen Lagerauszieher-Satz von BGS und 120€ für einen Lagereintreiber-Satz auch von BGS. Ich bin an sich Fan von Marken-Werkzeugen (habe viel von Hazet), aber der einfachste Lagerauszieher-Satz mit Gleithammer von denen liegt bei 370€, die größeren Sätze mit solchen Abstütz-ausziehern dann bei über 1.000€. Ich glaube nicht, dass sich so ein Satz bei mir lohnt, dafür benutze ich es vermutlich doch zu wenig.

    Keine Ahnung, wie lange BGS bei mir hält, vielleicht ist das doch wieder Lehrgeld, das ich hier zahlen muss. Mal schauen.


    Getauscht wird dann im Winter. Danke für die Tipps bisher


    Aber das Fett zwischen Dichtring und Lager ist eher fürs gute Gefühl, oder? Die Kugellager sind ja abgedichtet, d.h. das Fett sollte dort nicht rein kommen können. Und den WeDi soll man ja auch laut WHB gefettet einbauen. Das zusätzliche Fett dürfte da also keinen Unterschied machen. Ich werde aber auch welches rein packen. Kost ja nüscht

  • #47

    Jep.

    Ich habe gelesenen dass die wasserbeständigen Langzeitfette gegen die Auswaschungen durch das Wasser beständig sind. Ich dachte nur, wenn schon einem Dichtring durch meine Offroad Fahrerei was passieren soll, dann wird die Feuchtigkeit noch einige Zeit durch das Fett vom Lager ferngehalten.

    Jedenfalls schadet nicht und kostet nichts…

  • #49

    Ich habe gestern die Radlager getauscht. Habe das vorher noch nie gemacht und hatte daher keine Ahnung, wie die Werkzeuge zu benutzen sind und wie das alles so funktioniert. Ich war insgesamt etwa 5h mit Aus- und Einbau der Räder und aufräumen hinterher beschäftigt. Dazwischen auch mehrmals nachlesen, wie man etwas bestimmtes tun soll und auch mehrmals über das schlechte Werkzeug aufregen, das ich gekauft habe. Ich denke, wenn man geübt ist, sollte das in der Hälfte der Zeit möglich sein.


    Mein Motorrad hat ca. 70.000km auf dem Tacho. Überwiegend Asphalt, gelegentlich leichtes Offroad (Feld- und Waldwege). Nur eine Runde auf einer Schotterigen MX-Strecke gedreht. Ich habe vorher nicht gemerkt, dass mit den Radlagern irgendwas wäre, merke jetzt aber den Unterschied (die Räder drehen sich leichter und drehen auch länger nach). Gerade die hinteren Lager waren auch wirklich dran. Hier mal das Bild von den alten Lagern und WeDi


    Hier mal die Teile, die ich bestellt habe (123kugellager.de war der einzige Shop, den ich gefunden habe, der alle Teile im Sortiment hat)

    Die haben alle gepasst und funktionieren. Der eine Dichtring (30x56x7) ist nicht exakt nach Honda Vorgabe (die wäre 7,5mm), da die Dichtringe aber mit Abstand zu den Lagern eingebaut werden, ist das überhaupt kein Problem. 7mm funktioniert tadellos und ich denke, auch 8mm würde ohne Probleme passen.

    Die 4 SKF Lager waren alle Explorer (die sollen etwas haltbarer sein) in der RSH Ausführung (etwas bessere Dichtwirkung, dafür etwas schwergängiger als die RSL Ausführung). Das sind genau die, die ich mir auch gewünscht hätte. Die Website weist einen nicht vorher darauf hin, welche Variante man bekommt.

    Das 63/22 Lager hat eine komische Bezeichnung aufgedruckt, war aber das richtige. Scheinbar werden die Lager, die ehemals als "Koyo" vertrieben wurden, jetzt als JTEKT verkauft.


    Werkzeug, das ich mir gekauft habe:

    BGS 8467 | Universal-Lager- und Buchsentreiber-Satz | 52-tlg. << funktioniert genau, wie beschrieben - keine Einwände

    BGS Diy 7715 | Grundloch-Innenlager-Abzieher-Satz | 16-tlg. << kann ich absolut nicht empfehlen - Erklärung weiter unten

    Ich würde empfehlen, das Honda Werkstatthandbuch zur Hand zu haben. Der Einbauprozess ist nämlich etwas speziell (erst 1 Lager auf Anschlag rein, dann Distanzhülse und dann das 2. Lager bis Anschlag an Distanzhülse) und vorne zu hinten unterschiedlich (vorne kommt das linke Lager zuerst rein und das rechte an die Distanzhülse, hinten umgekehrt).


    Best practices hier aus dem Forum haben sich auch bei mir bewährt: die Lager vorher mehrere Stunden in den Tiefkühlschrank legen und die jeweilige Lagerstelle unmittelbar vor Einbau mit dem Heißluftföhn aufwärmen (wenn man Wasser ran spritzt, muss das sofort verdunsten / kochen). Bei den beiden vorderen Lagersitzen (die gut aussahen - Lager gingen beide ohne Probleme raus und auch wieder rein) sind die neuen Lager dadurch fast komplett von alleine (Handkraft) bis in ihre Position gerutscht. Hinten musste ich etwas prügeln, aber das lag daran, dass auch die alten Lager schon ein wenig Rost angesetzt hatten und die Lagersitze dadurch nicht ideal waren.


    Noch ein paar Hinweise, die mir die Arbeit leichter gemacht hätten, wenn ich sie vorher gewusst hätte

    - Die Hülse aus dem Lager im Kettenradträger kann man genauso ausschlagen, wie die Lager - nur eben in die andere Richtung. Die Hülse unbedingt ausbauen, bevor man das Lager rausholt. Anschließend reinigen und ins neue Lager einbauen.

    - der von mir oben gepostete Werkzeugsatz ist kacke. Die 3 Spreizzangen sind nicht so übermäßig genau gearbeitet, sodass man die Zange, die eigentlich ab 20mm gehen soll, bei 20mm Innendurchmesser nicht rein bekommt. Man muss die nächstkleinere nehmen, die sich aber ihrerseits nur bis ziemlich genau 20mm spreizen lässt und dadurch nicht so richtig gut hinter das Lager greift. Da ich wie gesagt keinerlei Erfahrungen mit dieser Arbeit habe, kann ich nicht ausschließen, dass ich nicht doch irgendwas falsch gemacht habe. Ich glaube aber, dass das bei dem Design nicht großartig anders geht. Die Hülse zwischen den Lagern hat ja auch etwa 20mm Durchmesser, dadurch kann man mit dem Werkzeug nicht so richtig gut "hinter" das Lager greifen, sondern nur in die Fase an Lager und Hülse. Beim Spreizen der Hülse ist es mir dann fast immer passiert, dass eine der 3 Backen die Hülse ein bisschen beiseite geschoben hat und diese Backe sich dann richtig satt hinter dem Lager festgehalten hat, die anderen beiden hatten dadurch aber quasi überhaupt nichts, woran sie sich festgehalten haben. Bei den vorderen Lagern ging das trotzdem, weil die ohne viel Widerstand raus kamen. Bei dem 1. Lager im Hinterrad habe ich aber mehrmals nur die Spreizhülse verkantet durch die Lagerbohrung raus gezogen, das Lager selbst ist drin geblieben.

    - eben dieses 1. Lager musste ich dann mit einer alten Ratschenverlängerung raus kloppen. Das 2. ging dann, weil ich danach die Hülse raus nehmen konnte und dann die nächstgrößere Spreizzange durch stecken und das 2. Lager damit ziehen konnte

    - wenn man oberflächlich schon Rost sieht, sollte man erstmal WD-40 drauf tun und einwirken lassen. Das Lager im Kettenradträger hatte bei mir ganz ordentlich Rost angesetzt (auf dem oberen Foto habe ich leider die Rückseite fotografiert, die noch ganz gut aussah) und das Lager wollte nicht so wirklich raus. Ich habe mit der Spreizzange und dem Abstützarm Spannung drauf gegeben, dann umgedreht und von hinten noch mit einem durchtreiber rauf geprügelt. Dann wieder die Spreizzange nachziehen und wieder von hinten kloppen. Das Lager ging ziemlich schwer raus

    - die Tiefe der WeDi ist nur in einer kleinen Textpassage beschrieben. Vorne ist das soweit noch klar - Dichtringe sollen bündig mit der Nabe montiert werden

    hinten ist da aber ein Fehler im WHB. Im Text steht, dass der WeDi im Kettenradträger bündig montiert werden soll und der im Rad gemäß nebenstehender Zeichnung

    die nebenstehende Zeichnung zeigt aber die Seite des Kettenradträgers (sichtbar an den 2 nebeneinander liegenden Lagern)

    Das heißt entweder die Zeichnung, oder der Text ist falsch. Ich habe mir dazu gestern Abend einen Wolf gesucht, aber nichts gefunden. Ich vermute aber, dass der Text falsch ist und die Zeichnung korrekt. a) weil am Vorderrad auch die beiden WeDi in der Nabe eingebaut bündig montiert werden sollen, b) weil es wahrscheinlicher ist, dass im Text ein Fehler gemacht wurde, als, dass die extra angefertigte Schnittzeichnung falsch ist und c) weil auf genau der Seite des Kettenradträgers hinten ja auch als einzige Montageposition eine andere Hülse montiert wird (die nicht nur rund ist, sondern noch einen zusätzlichen Flansch dran hat). Auch das wird ja leider in der entsprechenden Abbildung falsch dargestellt (da ist die Flanschhülse auf der Bremsenseite), aber das ist hier ja hinlänglich bekannt.


    Bis auf die Schwierigkeiten mit den angerosteten Lagern (das nächste mal werde ich die denke ich schon bei ~50.000km tauschen, um dem vorzubeugen) ist das ansonsten eine Tätigkeit, die man mit normaler Schraubererfahrung machen kann, solange man Werkzeuge hat, um die Lager aus- und einzuschlagen. Beim Einschlagen unbedingt beachten, dass man das nicht nur mit einer Nuss macht! Die Nuss bringt nämlich die Kraft nur auf den Lager-Außenring, der Endanschlag ist aber die Distanzhülse, die am Innenring anliegt. D.h. wenn man mit der Nuss außen schlägt, das Lager aber innen anliegt, dann verkantet man das Lager in sich. Wenn man SEHR vorsichtig ist, kann das auch schadfrei gehen. Korrekter ist aber so ein Satz, wie ich ihn oben verlinkt habe. Einfach nur ein großes Paket an Scheiben mit unterschiedlichen Durchmessern, da ist für jeden Fall etwas dabei :)

    Zum Ausschlagen brauchte ich wie gesagt eine alte Ratschenverlängerung, da meine normalen Durchtreiber nicht ansatzweise lang genug dafür waren.

    Alex
    825190_5.png

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