Beiträge von Seimrich

    Moin,

    es erstaunt uns zwar immer noch, aber unsere vielfältigen Erfahrungen mit der „Obrigkeit“ bei unseren Reisen waren immer und durchweg – manchmal überraschend – positiv. Nachfolgend ein paar Beispiele, zusammenhanglos entnommen aus unseren Reiseberichten. Wer mag, kann den Kontext sowie viele weitere Erlebnisse nachlesen unter http://www.simplesimon.de.


    Gruß

    Detlev



    Geballte Staatsmacht in der Osttürkei

    Die Gegend um Maden ist uns als Tagebergbaugebiet in Erinnerung, der letzte Teil der Strecke bis dorthin ist auf unserer Karte auch mit etlichen dieser „Schlägel und Eisen“-Symbole gekennzeichnet. Nachdem wir bei Palu den Murat, einen der Quellflüsse des Euphrat, überquert haben, ändert sich die Landschaft. Das satte Grün, das uns bislang begleitet hatte, weicht nach und nach trockenen, fast vegetationslosen Bergen, teilweise naturbelassen, teilweise zerfurcht vom Tagebau, der massive Spuren hinterlässt. Aber nicht nur die Gegend verändert sich. Während wir in Tunceli kaum eine Frau gesehen haben, die auch nur ein Kopftuch trug, begegnen uns hier fast nur Frauen, die bis auf den Sehschlitz schwarz verhüllt sind. Welch ein Kontrast in nur zwei Stunden zeitlichem Abstand.

    Rendel sucht sich anlässlich einer Pinkelpause ein geschütztes Plätzchen, als neben mir ein LKW hält – zunächst die übliche, beruhigende Frage, ob wir ein Problem hätten, dann, nach Verneinung und Schilderung unseres Unternehmens, der anerkennend erhobene Daumen und der Tipp, uns zunächst in Richtung Alacakaya zu halten, was ich schon wusste, jetzt ist aber klar, dass wir noch richtig sind. Rendel taucht auf, der Fahrer hält noch mal, nur, um ihr auch noch seinen Respekt zu bekunden.

    Die Straße, die fast nur von schweren LKW befahren wird, wird immer staubiger, endlich taucht das Ortsschild „Alacakaya“ auf. Das Schild weist auf dem Zusatz eine Einwohnerzahl von knapp 3.000 aus, aber Kreis„stadt“ …

    Des Staubes überdrüssig, setze ich noch einmal an, den PKW vor mir zu überholen, was Rendel bis zur Ortsmitte nicht mehr gelingen wird. Dort angelangt, werde ich umgehend in Richtung des den Hauptplatz dominierenden Polizeigebäudes herausgewunken, Rendel hat ebenfalls aufgeschlossen. Dem PKW entsteigen vier mit Maschinenpistolen bewaffnete Männer, die sich um uns scharen. Okay, vielleicht war ich beim Überholen etwas zu schnell, und wenn ich gewusst hätte, dass Rambo und Co. dort drin sitzen, hätte ich es mir vielleicht ganz verkniffen, aber so ein Staatsempfang? Dass es sich nicht um eine wirklich ernste Situation handeln konnte, scheint offensichtlich, ein wenig mulmig ist mir aber doch. Nachdem wir unsere Pässe abgegeben haben, werden wir, vorbei an dem den Haupteingang flankierenden Panzerspähwagen ins Gebäude geleitet, wo wir in einem wohnzimmerähnlich eingerichteten Raum Platz nehmen dürfen. Ein Beamter kommt mit den Pässen zurück und sagt mir, dass es mit meinem ein Problem gäbe. Es stellt sich jedoch heraus, dass der vermeintlich fehlende Einreisestempel statt in der Nähe der Angaben zum Fahrzeug irgendwo zwischen etlichen anderen Vermerken gelandet war.

    Jetzt löst sich die Spannung vollends, wir werden gefragt, ob wir Tee und etwas zu essen möchten. Tee ja, Essen nicht nötig. Trotzdem flitzt einer der Beamten los und erscheint kurz drauf mit einem Tablett voller Kuchen. Die Polizisten, allesamt recht kernige Typen, stellen sich als Leiter der jeweiligen Polizeieinheiten hier vor Ort vor: Verkehrspolizei, Kriminalpolizei und noch weitere. Sie stammen zumeist aus İstanbul und leisten hier in der hintersten Provinz den üblichen Pflichtdienst ab. Als Großstädter sind ihnen Ausländer natürlich geläufig, aber in dieser Gegend stellen wir – das kennen wir ja schon … – eine willkommene Abwechslung dar. Nach dem üblichen Fragen und Erzählen bietet sich einer der Herren an, uns das Polizeigebäude zu zeigen. Zunächst geht’s ins Foyer, wo an der Wand in Goldbuchstaben ein Atatürk-Spruch prangt. Dann zeigt er uns die modern ausgestatteten Büros und zum Schluss dürfen wir noch die Arrestzellen und den Verhörraum mit dem berühmten Einwegspiegel besichtigen. Ungehindert kann Rendel alles fotografieren, erstaunlich, wenn man bedenkt, wie eigen die hiesigen Sicherheitskräfte dabei üblicherweise reagieren! Zum Schluss werden noch unsere Motorräder begutachtet, gegenseitig ein paar Fotos gemacht – und nach einer kurzen Wegbeschreibung geht es weiter.

    Alleine von unseren – guten – Erlebnissen mit Polizisten im Laufe der Zeit könnten wir schon einen eigenen Bericht schreiben.



    Rush Hour in Aleppo

    Aber wie kommen wir ins Hotel? Mehrfach fragen wir, halten schließlich auf einen am Straßenrand stehenden Motorradpolizisten zu. Obwohl nicht entsprechend veranlagt, muss ich sagen, dass es mir die syrischen Polizisten angetan haben, zumindest die in den Städten: sandfarbene Uniform, mit akkurater Bügelfalte, sauber rasiert und mit einem Halbschalenhelm – das hat was, fesch. (Die Motorradpolizisten fahren zumeist ältere Moto Guzzis, ähnlich der California.) Sofort sind wir und der Polizist von Hilfswilligen und Neugierigen umzingelt. Von überall her schallt uns (auch bei Ampelstopps) ein freundliches Welcome to Syria! entgegegen. Man kann uns die grobe Richtung nennen und wir wollen weiter. Um uns das Wiedereinfädeln zu erleichtern, tritt ein zweiter Polizist auf die Straße. Nachdem das vordere Fahrzeug nicht sofort hält, tritt er noch einen Schritt vor, richtet sich gerade auf und zeigt mit gebieterischer Geste vor sich auf die Straße: "Freund, wenn ich 'Stopp' sage, dann hast du zu halten!" Über den so für uns gesperrten Fahrstreifen können wir uns wieder ins Getümmel einreihen.



    Süße Verkehrskontrolle

    … Nach dem Entladen halten wir uns Richtung Keşan, dem ersten Übernachtungsort in der Türkei auf der Hinfahrt. Ich sehe den Blitzer von Weitem, meine auch, das Tempolimit eingehalten zu haben. Lange nix, dann der Kontrollposten. Strenger Blick, winkt mich etwas barsch zur Seite. Der Cop geht erst zu Rendel, ich beobachte im Spiegel. Verhackstückt irgendwas mit ihr, dann bin ich dran. Nochmal streng gekuckt, dann zaubert er von hinter dem Rücken er ein kleines Tablett hervor, auf dem ein Sortiment an „süßen Stückchen“ liegt – ich solle mir eins aussuchen. Sein Kommentar lediglich ein verschmitztes „Good bye!“ Beamtenwillkür.

    Dann heißt es tatsächlich „Good bye, Türkei!“ Die Grenzabfertigung geht zügig, lediglich der griechische Zöllner will einen Blick in unsere Koffer werfen.



    Wenn man unser Geld nicht will … (Artvin, östliche Schwarzmeerküste)

    Mit fällt ein, dass wir ja immer noch das unbezahlte Strafmandat mit uns herumführen! Da ich so etwas immer sportlich nehme, macht es mir, wenn es denn berechtigt ist, nichts aus, das auch zu zahlen. Rendel möchte eh mal in den Ort und dabei die Sache dann begleichen. Von der „eigentlich“ zuständigen Bank schickt man sie jedoch zur „Belediye“, der Stadtverwaltung, die für uns als Ausländer zuständig sei. In der Kassenstelle bietet man ihr einen Platz an, der Sachbearbeiter muss mal kurz weg – und Rendel findet sich alleine in dem Büro wieder, vor ihr große Stapel von Geldscheinen! Der junge Mann telefoniert mit seiner Frau, die von Amts wegen dafür zuständig ist und die kurz drauf auch auftaucht. Im Blick auf unser Strafmandat beschwört sie Rendel regelrecht, die Buße nicht zu bezahlen. Und das nicht etwa, weil sie vielleicht ungerechtfertigt wäre, sondern weil die Grenzbehörden derzeit noch keine Möglichkeit haben, eine nicht erfolgte Zahlung zu erkennen. Ähnlich wie mit dem Mautticket können wir auch hier nichts ausrichten. Die beiden stellen sich noch zum Erinnerungsfoto auf und erwägen, uns vielleicht am Abend noch im Hotel zu besuchen.

    biegsame Welle wäre zwar biegsam, aber nicht dehnbar.

    Nee, das nicht. Aber wenn man sich eben die Biegsamkeit zunutze macht und sie so bemisst, dass sie in ganz eingefedertem Zustand noch gerade etwas länger ist als nötig, müsste der Längenausgleich doch gegeben sein. Und durch die übliche Torsion der Welle in Längsrichtung müsste auch eine hinreichende Dämpfung im Antriebsstrang gegeben sein.

    Die wartungsärmste (bis fast -freie) Lösung wäre es sicher.

    Wie ist das eigentlich bei den neueren (BMW-)Kardanwellen: Muss da auch, wie früher bei den 2-Ventilern, die Kerbverzahnung regelmäßig geschmiert werden?

    Ich hab mich schon mal gefragt, ob es nicht bei den heutigen werkstofftechnischen Möglichkeiten denkbar sein könnte, eine Art Kardanwelle nach dem Prinzip der "biegsamen Welle" zu konstruieren. Probleme wir Längenausgleich, Ruckdämpfung u.ä. wären damit auch gleich gelöst. Zumindest für geringere Leistungen könnte das doch denkbar sein, oder? Vielleicht sogar aufgeteilt auf eine Welle rechts und eine links.


    Detlev

    Und ich frage mich, warum Leute, die in irgendeiner Weise ein Anliegen haben und sich damit an andere wenden, es nicht für nötig halten, mal kurz über ihr Geschreibsel zu schauen, bevor sie den "Sent"-Button drücken. Denn dass es sich hier nicht um eine Rechtschreibschwäche (über die ich mich nie mokieren würde) handelt, ist doch wohl offensichtlich.
    Wenn also Respekt, dann doch von beiden Seiten.


    Detlev