Nach bisheriger Lesart wäre ein Foto, das Ex-Verbraucherschutzminister und Ministerpräsidentenkandidat Cem Özdemir bei seinem privaten Wochenendeinkauf zeigt, ein Bruch seiner Privatsphäre und dürfte nicht ohne seine Zustimmung veröffentlicht werden. Etwas anderes wäre es, wenn man Özdemir dabei fotografieren würde, wie er auf dem Netto-Parkplatz aus einem goldenen Cayenne Turbo steigt und nach einer Weile mit einer Zehnkilopackung Discount-Schweinefleisch aus Qualtierhaltung wieder rauskommt. Ein solches Foto könnte als Beleg dafür gewertet werden, dass der Privatmann auf die Grundsätze scheißt, die der Politiker vertritt - und dürfte deshalb nach bisheriger Lesart als Dokument der Zeitgeschichte veröffentlicht werden, ohne vorher um Erlaubnis zu fragen. Die Folgen einer solchen Veröffentlichung wären für Özdemir verheerend.
So, und jetzt stell dir vor, jeder Depp kann solche Bilder in einer Qualität erzeugen, dass man sie von einem authentischen Foto nicht unterscheiden kann. Und die kippt er dann in die Sozialen Netzwerke. Um die Verbreitung muss er sich nicht sorgen, dafür sorgt der Facebook-Algorithmus.
Das ist es, was mir Sorgen macht. Und das ist ja nur ein beliebiges Beispiel.