Die Welt ist eine Kurve !

  • #1

    Hallo zusammen,

    ich fahre seit gut 10 Jahren Motorrad (ca. 12.000 km im Jahr auf Honda und Suzuki) und würde mich eigentlich als erfahren bezeichnen. Trotz der Praxis merke ich aber, dass ich oft zu viel Respekt vor Kurven habe und in der Gruppe meist der Langsamste bin, weil ich ungern Risiken eingehe.

    Ich habe mich theoretisch viel belesen, aber bei der Umsetzung hapert es an einigen Stellen, zu denen ich gerne euren Rat hätte:


    1. Die Linkskurven-Blockade

    Während ich mich in Rechtskurven sehr wohl fühle, komme ich links an meine Grenzen. Mein Problem: Ich weiß, dass ich die Kurve weit außen anfahren müsste, habe aber Angst, dass am rechten Fahrbahnrand Dreck oder Stöcker liegen und ich wegrutsche. Dadurch fahre ich die Kurve oft unsauber an. Wie geht ihr mental mit dieser Sorge um? Habt ihr Tipps für die Blickführung, um hier mehr Sicherheit zu gewinnen?


    2. Körperhaltung & Steifheit

    Ich merke oft selbst, dass ich zu steif auf dem Motorrad sitze. Wie schafft ihr es, locker zu bleiben? Gibt es spezifische Punkte an der Körperhaltung, auf die ihr besonders achtet, um nicht zu verkrampfen?


    3. Drücken vs. Legen (Geschwindigkeitsabhängig)

    Hier komme ich manchmal durcheinander:

    • In weiten, schnellen Kurven legt man sich ja eher mit dem Motorrad (kein Hanging-off, das mache ich nicht).

    • In engen, langsamen Kehren ist das "Drücken" die bessere Wahl.

    Manchmal verliere ich in der Situation das Gefühl dafür, welche Technik gerade die richtige ist, und wirke dann unsicher. Habt ihr eine Faustformel oder Tipps für den fließenden Übergang zwischen diesen Techniken?


    Mir ist bewusst, dass es einfacher ist, einem erfahrenen Fahrer hinterherzufahren, um Vertrauen in die Geschwindigkeit zu gewinnen, aber ich möchte das auch für mich alleine sicherer meistern können.

    Ich freue mich auf eure Tipps und Erfahrungen!


    DLzG, Marcel

    "Angst beim Motorradfahren ist viel zu gefährlich"

    Einmal editiert, zuletzt von Schwarzwald-Elch () aus folgendem Grund: Schriftgröße angepasst. Was gefällt dir an der Standardgröße nicht?

  • #2

    Vielleicht haben die Anderen einfach zu wenig Respekt vor Kurven. Die Risikobereitschaft ist nunmal individuell.


    Schräglagentraining kann ich empfehlen! :handgestures-thumbupright: Weil es helfen kann die eigenen "Blockaden" kritisch zu überprüfen.


    Das Lockerbleiben fällt mir schwer im Winter - weil es mich anfangs manchmal noch friert - und bei Übermüdung auf längerer Tour, da ist eben Pause angesagt. Jeder Körper hat seine Grenzen, der Kopf auch, will man die Grenzen verschieben, ist das richtig Arbeit. Der Maßstab sollte m.M. der eigene Anspruch sein, weniger die Gruppe bzw. die anderen Mitfahrer auf der Straße. Solange man kein Verkehrshindernis darstellt. Es gibt immer Leute die schneller fahren wollen oder können. Und es gibt immer Verrückte, die die Grenzen der Physik ignorieren wollen. Wo man sich da selber einordnet, bleibt die eigene Verantwortung. Fremdgefährdung in Kurvenfahrten jedoch ist m.E. ein no go. Und man hat gute Tage und weniger gute, sich und andere zu gefährden nur weil man weniger risikobereit ist, wäre der Punkt, wo man besser getrennte Wege bzw. das eigenen Tempo fährt.

  • #3

    Das wäre auch der falsche Weg einem anderen hinterherzufahren und vielleicht dessen Fahrstil zu kopieren.

    Das hab ich am Anfang auch gemacht, und hatte dann etwas Probleme wenn ich alleine unterwegs war.

    Ich würde an Deiner Stelle vielleicht nochmal eine oder zwei Fahrstunden nehmen, damit Du dann einen

    eigenen Rythmus findest.

    Grüße aus dem Lahn-Dill-Kreis :at3:
    Thomas


    Honda CY 50 in Rot, Suzuki DR 125 in Schwarz, Honda CBF 600 SA in Weiß, Honda CRF1000 D in Schwarz,

    Honda CRF 1100 Adventure Sports DCT EERA in Tricolor


    Wer nie vom Wind gestreichelt,

    wer nie vom Regen gewaschen,

    wer nie von der Sonne getrocknet,

    wer nie vom Frost gebeutelt,

    wer nie vom Chrom geblendet wurde,

    der wird es nie verstehen, was Motorradfahren bedeutet


    Hessentruppe

  • #4

    Hi Marcel,


    Erstmal Gruß von Werder nach Berlin.

    Ein „Mitfahr-Kumpel“ von mir hat ähnliche Probleme. Ist allerdings erst 3.000km mit Moped gefahren.

    Ihm hat das Training vom ADAC in Linthe (ist ja um die Ecke) sehr viel geholfen.

    Vielleicht machst du das mal.

    Die Trainer sollen super sein und auch auf individuelle Wünsche eingehen.


    Gruß

    Und vielleicht sehen wir uns mal in der Saison.


    René.

  • #5

    Guten Morgen Marcel,


    mein Vorredner hat im Prinzip alles Wichtige zusammengetragen. Das Schräglagentraining hilft ganz sicher, weil du hier zusätzlichen Input eines Profis bekommst, der "von oben" draufschaut.


    Zu1:


    Fast jeder von uns hat eine Sahneseite, ich fahre die Linkskurven immer viel geschmeidiger und tiefer an als die rechte Kurve; mich stört es nicht. Der Unterschied ist halt nur, dass links bei einer scheiß Linie, deine Birne im Gegenverkehr steckt. Ergo, übe es einfach immer wieder und wieder. So habe ich mir eine saubere Linie antrainiert. Am Besten beginnst du dabei mit deiner Wohlfühlgeschwindigkeit und steigerst nach und nach. Du musst dabei auch nicht unbedingt immer an der weißen Außenlinie entlangsurfen, wichtig ist: weg vom Mittelstreifen.


    Das wird dann schon.


    zu 2:


    Bereite dich bereits jetzt aufs Fahren vor, trainiere deine Muskeln, mach ein bißchen Yoga und freue dich einfach aufs Fahren. Dann bist du locker und entspannt. Ich bin immer happy aufm Bike und deswegen immer läuft es quasi von selbst.


    zu 3:


    Ist wie mit allem was man trainieren kann. Üben, üben, üben und die Kurven bewußt vorher (nicht in der Kurve, dann gehts in die Buxe)

    mit der ein oder anderen Art durchfahren; aber ehrlich gesagt, kann ich hier sehr schlecht Rat geben, da es intuitiv bei mir geschieht.


    Auf eine gute Saison

    lg

    hoffi69

    Honnerd Brozend Sejerlänner:happy-partydance:

    6 Forumstreffen 2019-2024 :romance-grouphug:


    Eat, Ride, Sleep. Repeat :handgestures-thumbupright:

  • #6

    Hey Marcel,


    wie bereits geschrieben:

    Kurventraining… ich fahre seit meinem 18. Lebensjahr Motorrad und mache jedes Jahr zum Saisonauftakt ein Kurventraining beim ADAC. Das ist gut investierte Zeit ( ein Samstag), gibt Sicherheit und hilft beim Grenzen ausloten.

    102 PS im Arm nutzen Dir nichts, wenn im Kopf die Kupplung schleift.

    Gruß Pille

  • #7

    Irgendwie kann ich mich da noch an einen Sonntag erinnern, das war so 2002.

    Ich bin mit meiner Fazer von zu Hause los gefahren auf eine kurvige Strecke die ich aus dem FF kenne.

    Mit meiner Fazer war ich verwachsen.


    Erste Kurve vieeel zu früh gebremst

    Zweite Kurve fast rausgeflogen, weil ich zu schnell war.


    Ich bin wieder heim gefahren und hab mich auf die Terrasse gesetzt.


    Auch wenn das nicht unbedingt mit Deinem Problem zu tun hat, aber es zeigt auch das es manchmal bei lang erfahrenen Fahrern Probleme gibt die man einfach nicht im Griff hat.


    ich werde immer Mal wieder gefragt wie ich so tolle Linien finde ohne Probleme.

    Meine Antwort: keine Ahnung. Ich weiss es halt und ich denke das geht hier den meissten so.


    Aber jetzt zu Dir:

    wie die Vorredner geschrieben haben, da ist eine mentale Blockade bei Dir (nicht böse oder abwertend gemeint!) und ein Kurven- oder Fahrsicherheitstraining würde Dir da sicher helfen weiter zu kommen.

    Dort sind Spezialisten die solche Probleme kennen und Dir Infos geben, wie Du das gelöst bringst. Manchmal braucht es nur nen kleinen Tipp oder etwas mehr Mut.

    Dabei meine ich nicht mehr Risiko.


    Du schaffst das und sowas hier zu schreiben zeigt, das Du schon Mal den Mut hast sowas anzusprechen! :handgestures-thumbupleft:

    cu Jürgen


    Wenn der Lenker auf dem Asphalt kratzt war's zuviel mit der Schräglage! :wheelieat:

  • #8

    Hallo Marcel,


    das kenne ich auch aus meiner Zeit, als ich recht spät mit 24 Jahren mit dem Motorradfahren anfing. Ich hatte damals so etwas wie eine Angststarre vor manchen Kurven. Mir haben auch Fahrsicherheits- und Kurventrainings geholfen, dann habe ich auf vertrauten Strecken (Landstraßen) geübt. Vorher die Strecke abgefahren und nach Verschmutzungen geguckt, dann befreit und zügig die Kurven gefahren und mich immer mehr an größere Schräglagen getraut. Und auch an der „Ideallinie“ gearbeitet (Linkskurven nicht zu mittig fahren, aber auch nicht zu nah am Rand).


    Was verstehst du unter Drücken? Ich habe schon einige sagen hören, dass sie das Motorrad in die Kurven mit den Beinen oder dem Körper drücken. Ab einer bestimmten Geschwindigkeit wird der Lenkimpuls nur noch über den Lenker ausgelöst (Gegenlenkimpuls). Das bedeutet z.B. in einer Linkskurve wird der Lenker mit der linken Hand so gedrückt, als würde man den Lenker nach rechts drücken wollen – auch das muss man üben und verinnerlichen. Oberkörper und Beine können dabei völlig entspannt bleiben.


    Ob du lieber „drückend“ durch Kurven fährst oder im Legen, musst du für dich entscheiden und schauen was sich für dich besser und sicherer anfühlt.

  • #9

    Um geschmeidiger in den Kurven zu werden kann man auch auf einem grösseren freien Parkplatz (Wochenende) mit halbierten Tennisbällen einen Parkour auslegen und Slalomfahren üben.

    Unser Ferganez teilt öfters Bilder in unserer Whats-App Gruppe in denen er den Saisonanfang ankündigt.


    Ganz wichtig und nicht zu vergessen, Blickführung trainieren.


    :wboy:

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