Die Welt ist eine Kurve !
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#12 Alles anzeigen1. Die Linkskurven-Blockade
Während ich mich in Rechtskurven sehr wohl fühle, komme ich links an meine Grenzen. Mein Problem: Ich weiß, dass ich die Kurve weit außen anfahren müsste, habe aber Angst, dass am rechten Fahrbahnrand Dreck oder Stöcker liegen und ich wegrutsche. Dadurch fahre ich die Kurve oft unsauber an. Wie geht ihr mental mit dieser Sorge um? Habt ihr Tipps für die Blickführung, um hier mehr Sicherheit zu gewinnen?
2. Körperhaltung & Steifheit
Ich merke oft selbst, dass ich zu steif auf dem Motorrad sitze. Wie schafft ihr es, locker zu bleiben? Gibt es spezifische Punkte an der Körperhaltung, auf die ihr besonders achtet, um nicht zu verkrampfen?
3. Drücken vs. Legen (Geschwindigkeitsabhängig)
Hier komme ich manchmal durcheinander:
• In weiten, schnellen Kurven legt man sich ja eher mit dem Motorrad (kein Hanging-off, das mache ich nicht).
• In engen, langsamen Kehren ist das "Drücken" die bessere Wahl.
Manchmal verliere ich in der Situation das Gefühl dafür, welche Technik gerade die richtige ist, und wirke dann unsicher. Habt ihr eine Faustformel oder Tipps für den fließenden Übergang zwischen diesen Techniken
Zu 1: Fast jeder hat seine Schokoladenseite, siehst du auch oft bei anderen Mopeds am unterschiedlich breiten "ungenutzten Respektstreifen". Als Teil meiner Blickführung sehe ich ja auch kurz den Kurvenanfang, bevor sich der Blick Richtung Kurvenausgang verlagert und das reicht mir um mich sicher zu fühlen. Klar kann da immer etwas Dreck oder Ähnlicher sein aber das ist halt Restrisiko aber wenn ich da zulange die Fahrbahn "studiere" fahre ich ja dann auch genau dahin.
Zu 2: Glaube dein Problem liegt im Kopf, der dich zu sehr beschäftigt. Körperlich ausgeruht, ein guter Tag mit guter Laune, weil ich ja Moped fahre, ergeben einfach so eine lockere entspannte Haltung. Arme locker, Hände nicht verkrampft, den Hinter etwas in die Kurve. Passt für mich.
Zu3: Glaub auch da stehst du dir selbst im Weg und grübelst zu viel vor den Kurven. Das ist bei jedem eine totale unterschiedliche Mischung ob jemand lieber das Moped drückt und/oder sich selbst legt oder Lenkimpulse gibt.
By the way, manchmal hab ich den Eindruck ich bin der Einzige hier der ohne bewusste Impulse am Lenker durch die Kurven rollert.
Mein persönlicher Rat: Kann dir auch nur ein Kurven/ Fahrtraining empfehlen und danach übe locker auf deiner/ deinen Hausstrecke(n) einfach lockeres Fahren ohne Schräglagenrekorde und zu großes Nerven der Anwohner dann kommt das Lockere Gefühl irgendwann auch von selbst.
Viel Erfolg und egal was du machst .......fahre nie schneller als das es dir ein gutes Gefühl bleibt. Auch wenn Andere schneller können... die gute Laune bleibt einem auch als Überholter

Harzlichen Gruß
Thomas
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#13 Hallo,
das Wichtigste ist ja nun gesagt,
aber....
Leihe dir mal ein kleines Naked Bike,
ist viel handlicher und du sitzt nicht gefühlt 1,50m über der Strasse.
Probiere es einfach mal aus,ob du damit die Blockade lösen kannst.
Wenn du aber über Abläufe beim Fahren auf öffentlichen Strassen während der Tour nachdenkst,wird es schwer dauerhaft Spaß am Hobby zu haben und das zeigt dir dein Körper durch eine verkrampfte Haltung..
Man nennt es dann nicht mehr Respekt,sondern Angst.
Und die besiegst du nur mit Hilfe von erfahrenen Fahrtrainern und ganz viel Vertrauen in deren und deine wachsenden Fähigkeiten.
Viel Erfolg.
Gruß
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#14 Erstmal Chapeau das du das überhaupt hier schreibst, die meisten trauen sich das gar nicht.
Die 1 Frage die sich stellt, fährst du überhaupt so " schlecht " durch Kurven oder vergleichst du dich zu sehr mit anderen.
Ein gewisses Maß an Schräglage sollte jeder machen, die Pflicht sozusagen, danach kommt die Kür. Man muß nicht so schräg und schnell daher kommen wie jemand anderes, es muß nur reichen für das eigene Wohlbefinden und den eigenen bevorzugten Fahrstil. Es gibt immer jemand der schräger und schneller ist.
Man sollte auch seine persönliche Grenze akzeptieren lernen ( oder bewußt entscheiden es zu ändern) und damit leben .
Das bringt mich zum zweiten Thema, und so wie du es schilderst zu deinem Hauptproblem. Die mentale Ebene.
Einige hier schrieben es schon. Du verkrampft, schlimmstenfalls Angst, zumindest aber verkopft.
Da hilft natürlich ein Kurventrainig ( wie schon mehrfach erwähnt) aber es gibt auch ein paar simple Tricks sich auf dem Motorrad ( oder sonst wo) wohler zu fühlen.
Locker werden, Schultern fallen lassen ( nimmt die Anspannung aus dem Oberkörper und den Händen)
Oberkörper aufrichten, den Kopf von rechts nach links drehen, die Gegend genießen...
Singen oder summen um den Geist abzulenken und die Intuition des Fahrens zu fördern und zu entspannen.
Ich persönlich würde meinen Haupt Fahrstil als Swingen beschreiben. Nicht so schnell das ich mich zu 100 % fokussieren muss und noch Luft nach oben ( respektive nach unten), bzw langsamer werden kann wenn es dann doch nötig wird und die Fahrt zu genießen.
Tief Durchatmen z.b,
all die Dinge die man auch sonst anwenden kann im Leben um sich locker zu machen.
Beim Skifahren lernen, z.b wirft man sich gegenseitig Bälle zu, man denkt gar nicht darüber nach wie das Fahren geht und macht es intuitiv richtig.
In einer Gruppe fahren, bzw. Jemanden einzeln hinterher fahren der einen nicht überfordert, kann hilfreich sein, um zu sehen "geht doch".
Fährt man immer alleine, weiß man eigentlich auch nie wo man fahrtechnisch steht und entwickelt sich irgendwann auch nicht weiter.
Ganz wichtig sich die Blickführung bewußt machen und trainieren. Man fährt wohin man schaut.
Das alles wird dir auch ein guter Instruktur vermitteln und ansonsten...
üben, fahren, üben Grüße
HeinoAT
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#15 Alles anzeigenIch denke auch, zu viel denken schadet auch.
Das Problem ist:
Wenn man denk man sollte nicht dran denken, dann denkt man ganz intensiv an das, an das man nicht denken sollte...
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#16 Alles anzeigenWas verstehst du unter Drücken? Ich habe schon einige sagen hören, dass sie das Motorrad in die Kurven mit den Beinen oder dem Körper drücken. Ab einer bestimmten Geschwindigkeit wird der Lenkimpuls nur noch über den Lenker ausgelöst (Gegenlenkimpuls). Das bedeutet z.B. in einer Linkskurve wird der Lenker mit der linken Hand so gedrückt, als würde man den Lenker nach rechts drücken wollen – auch das muss man üben und verinnerlichen. Oberkörper und Beine können dabei völlig entspannt bleiben.
Die Frage verwundert mich etwas ... und es überrascht mich in Zeiten wie diesen, dass man nachfragt, was jemand mit "drücken" meint

v.l.n.r.: drücken; legen; hängen
Drücken empfiehlt sich vor allem bei eher geringen Geschwindigkeiten - ich sag mal bis max. 50km/h um in engen Kurven enge Radien fahren zu können. Außerdem behält man vor allem auf schmalen Straßen bei Rechtskurven besser Übersicht in den Gegenverkehr, weil man ein aar Meter weiter in die Kurve reinsieht. Der Lenkimpuls wird aber hier genauso ausgeführt wie anderswo. Nur man drückt das Motorrad unter seinem Körper in eine größere Schräglage.
Hängen hat - wie der Fragesteller im Eingangsposting eh schon schreibt - auch mMn im öffentlichen Straßenverkehr nix verloren. Leider gibt es immer wieder mal Poser, die das trotzdem machen, aber meistens keinen Deut schneller sie wie jene, die normal legen.
Auf der Rennstrecke - ja natürlich! Da hat mMn das Drücken eher nix verloren (außer auf der Motocross-/Supermotorennstrecke) -
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#17 1. Mach langsam, lass Dich nicht hetzen. Finde Deine eigene Wohlfühlgeschwindigkeit.
2. Mach Dir zunächst um die ideale Linie keinen Kopf. Bleib einfach in der Mitte.
3. Ein Kurventraining oder Schräglagentraining in Linthe hilft auf jeden Fall.
4. Als ich 14 war, sagte ein Kumpel von mir, "Du musst verkehrt herum lenken". Ich dachte, der verarscht mich. Aber wer den Lenkimpuls erst mal entdeckt hat und aktiv einsetzt, fährt gar nicht mehr anders.
5. Es gilt lebenslanges Lernen.
Viel Spaß

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#18 Zum Thema " Drücken".
Ich drücke auch Kurven oberhalb von 50km/h, gerne auch in Wechselkurven. Da leg ich das Motorrad von einer auf die andere Seite, während ich weitgehend senkrecht bleibe.
Das Drücken ist für eine Enduro natürlich eine ideale Fahrweise, da man am breiten Endurolenker und in aufrechter Haltung agieren kann.
Das Drücken hat gerade auf kleinen, engen Landstraßen noch ein paar Vorteile.
1. Horizont: der Mensch ist von Natur aus nicht für extreme Schräglage gemacht, er muss das erst lernen. Beim Drücken ist man länger in einer Horizentalen und hat somit ( wie schon vom Voredner erwähnt) eine bessere Übersicht.
2. In der aufrechten Position kann ich schneller und besser reagieren als wenn ich liege, vom Hanging Off gar nicht erst zu sprechen.
3. Eine Enduro ist oft hoch gebaut und im meinem Fall bin ich zu der 4 cm höheren Sitzbank auch noch groß. Somit ragt mein Kopf beim Drücken nicht soweit in die Kurve herein.
Ich drücke übrigens nicht weil ich das muß, oder um schnell zu sein- nein es macht mir einfach Spaß aktiv auf drm Motorrad zu sein.
Ich langgezogenen, schnellen Kurven ist Legen natürlich weniger kraftauwändig und schneller.
aktive Grüße
HeinoAT
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#19 Das "Problem" beim Drücken bei höheren Geschwindigkeiten ist halt, dass man das Motorrad in eine größere Schräglage zwingt als es eigentlich notwendig ist.
Ich hab früher mit meiner VAradero auch viel gedrückt ... mglw. war damals auch noch ein Quäntchen Kurven- bzw. Schräglagenangst dabei. Der Umstand des Drückens hat dann zu solchen Fußrasten geführt - und das trotz härterer Feder und 20 mm Fahrwerkshochlegung.Zugleich fährt man den Reifen natürlich weiter außen als notwendig und nimmt sich selbst dadurch Sicherheitsreserven, obwohls eigentlich nicht notwendig wäre.
Aus diesen Gründen hab ich mir das Drücken bei höheren Geschwindigkeiten abgewohnt und fröne der Schräglage wenn ich das Motorrad in die Kurve lege. Noch bin ich in der Halswirbelsäule beweglich genug um mir ein horizontales Weltbild zu sichern.😉 -
#20 Danke für das ehrliche Feedback – Mein Weg aus dem Kopfkino
Hallo zusammen,
ein riesiges Dankeschön an Vielfahrer, Thomas61, Masterblaster, hoffi69, pillewd, jogie63, altonaer, lion, ociltis, Loner, Grommi, HeinoAT, woid4tler und Kandidatnr2!
Ich bin wirklich beeindruckt von der Qualität eurer Antworten. Ein großes Lob an euch – ihr habt meine Situation aus der Ferne absolut treffend eingeschätzt. Dass ihr euch so viel Zeit für eine konstruktive, sachliche und vor allem ehrliche Analyse genommen habt, ist nicht selbstverständlich.
Ihr habt Recht: Ich fahre mit großer Leidenschaft und sicher auch mit einer gewissen Routine, aber mein eigener Anspruch an Sicherheit und Risikominimierung steht mir manchmal selbst im Weg. Ich bin wohl genau die Sorte „Kopf-Akrobat“, die ihr beschrieben habt – jemand, der beim Fahren viel analysiert und überlegt, anstatt einfach nur zu fließen. Dass Perfektionismus beim Motorradfahren eher zu Verkrampfung führt als zu Sicherheit, ist eine Erkenntnis, die ich dank euch jetzt erst mal sacken lasse.
Besonders die pragmatischen Tipps haben es mir angetan:
• Die „Summ-Taktik“: Die Idee mit dem Summen oder Singen unter dem Helm von HeinoAT, um das Gehirn zu entspannen, werde ich direkt bei der nächsten Ausfahrt ausprobieren.
• Lockerheit: Das bewusste Achten auf eine entspannte Haltung und das „Fallenlassen“ der Schultern werde ich dieses Jahr gezielt einstudieren. Es warten ja noch unendlich viele Kilometer darauf, genossen zu werden.
• Training: Eure einhellige Empfehlung für das ADAC-Kurventraining (besonders der Tipp mit Linthe für uns Brandenburger von Masterblaster und Kandidatnr2) ist gesetzt. Das wird meine Investition in diese Saison.
Es ist ein klasse Gefühl zu wissen, dass man hier im Forum wirklich jedes Thema – egal ob es um die Technik der Zündkerze, die Pflege der Kette oder eben die ganz persönlichen mentalen Hürden beim Fahren geht – so offen und sinnvoll besprechen kann.
Danke, dass ihr mir geholfen habt, den Fokus wieder mehr auf das „Schwingen“ und weniger auf das „Grübeln“ zu legen. Wir sehen uns auf der Straße!
Grüße M
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